Band 
Zweiter Band.
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Quetelet, über den Menschen.

werde als andere? — Der eine setzt sein ganzes Vermögen auf eineZahl, weil sie schon so lange nicht, und der andere, weil sie in denletzten Zeiten schon so oft herausgekommen ist, aller übrigen eben soguten Einbildungen nicht zu gedenken, die hier und überall mit denarmen, betrogenen Menschen ihr loses Spiel treiben.

Ost führen wir sogar selbst die sonderbaren und unerklärlichenZufälle herbei, wegen welchen wir dann, sehr mit Unrecht, daSSchicksal anklagen, daS uns und unsere Unschuld verfolgen soll. Sosucht man in den Spielen, wenn man durch längere Zeit verlorenhat, seinen Schaden durch gewagte Sätze, die selten ohne Leidenschaftunternommen werden, wieder gut zu machen. Aber gewöhnlich ver-mehrt man dadurch nur das bereits bestehende Unglück, und brichtdann wieder in neue, noch heftigere Klagen über die Ungerechtigkeitdes Schicksals aus. Welches Recht haben wir denn aber, von diesemSchicksale ausschließende Gunstbezeugungen auf Kosten aller klebrigenzu fordern? Wir lächeln über die Chinesen, welche ihr himmlischesReich für den Mittelpunkt der Welt halten, während die meisten vonunS, wenn sie es auch nicht offen gestehen, doch desto inniger heim-lich glauben, daß sie selbst und ihr liebes Ich ein ähnlicher Mittel-punkt der Natur sind, für welchen sie eine ganz besondere Sorgfalttragen, für welchen daS Schicksal ganz außerordentliche Verbindlich-keiten eingehen, ja für welchen sogar der Lauf und die Gesetze desUniversums geändert werden sollen.

Besonders hat die dem Menschen natürliche, und vielleicht seinerintellectuellen Organisation eigenthümliche Begierde, daS Buch deSSchicksals zu lesen, und in die Geheimnisse der Zukunft zu dringen,z« einer großen Anzahl von oft sehr abenteuerlichen Mitteln geführt,durch welche wir diesem, wie eö scheint unabweisbaren Wunsche, sogut es eben angehen mag, zu genügen suchen. Die Astrologen, dieHexen, Zauberer und Traumdeuter liefern uns nur zu viele Beispielevon den traurigen Verirrungen, denen sich nicht bloß der Einzelne,sondern denen sich ganze Völkerschaften durch mehrere Jahrhunderteohne Anstand und mit einer Hartnäckigkeit hingegeben haben, welcheweder die Vernunft, noch selbst tausendmal von dem Gegentheile ge-machte Erfahrungen zu besiegen vermochten. Diese Vorurtheile ver-bittern unser Leben, sie halten uns in beständiger Furcht vor unsicht-baren Feinden, sie verfolgen uns selbst bis in unsere Träume — aberalles dies vermag nicht, daS arme Menschengeschlecht von seinen selbst-geschmiedeten Fesseln zu befreien, dies Geschlecht, daS sich willig allen