Quetelet, über den Menschen.
529
Qualen Preis gibt, um nur seine Lust zu büßen, in dem Dunkel derZukunft zu lesen, und daS Unmögliche möglich zu machen.
Den letzten Grund dieser allgemeinen und sehr betrübenden Er-scheinung müssen wir allerdings in der inneren Einrichtung unseresWesens, in jener geistigen Physiologie deS Menschen suchen, die dortanfängt, wo unsere materielle Physiologie aufzuhören gezwungen ist.Ohne Zweifel sind die Erscheinungen jener inneren geistigen Natureben so, wie die der äußeren Sinnenwclt, bestimmten und unabän-derlichen göttlichen Gesetzen unterworfen, die in jenen letzten undfeinsten Gebilden deS Organismus wurzeln, welche uns noch keinMikroscop zu zeigen im Stande gewesen ist, da sie an der nicht mehrzu erkennenden Grenze liegen, welche die körperliche Natur von dergeistigen scheidet. Unsere Nerven vereinigen sich in ihren äußerstenVerästungen beinahe alle in der Substanz des Gehirns und deS Rücken-marks, wohin sie die Eindrücke leiten, welche sie durch die Sinne vonden Gegenständen außer uns erhalten. Aber diese Sinne lehren uns,selbst am schärfsten bewaffnet, nichts über jene letzten Grenzen deseigentlich materiellen Organismus, noch über die Art, wie daselbstjene Eindrücke ausgenommen, fortgeführt und dem eigentlichen, reingeistigen Denkvermögen, unserer zweiten, höheren Natur, mitgetheiltwerden. Vielleicht werden unsere Nachfolger in diesen Versuchenglücklicher seyn, wenn sie einmal die hierher gehörenden Erscheinungenim Großen aufgefaßt, und von den übrigen deutlicher unterschiedenhaben werden. Eine solche scheint, um unS wieder durch ein Bei-spiel deutlicher zu machen, jener unS allen inwohnende Trieb, jenegeistige Sympathie zu seyn, sich mit gleichartigen oder gleichgestimmtenWesen in nähere Verbindung zu setzen, ein Trieb, den wir in allenorganischen, ja selbst in den unorganischen Wesen der ganzen Naturbemerken. So erhalten zwei Pendel oder zwei Uhren, deren Gangnur wenig verschieden ist, wenn sie auf derselben Unterlage ruhen,endlich einen ganz gleichen Gang. Wenn von zwei gespannten Saitendie eine tönt, so gibt auch die andere die verwandten Töne wie.der.Aus gleiche Weise streben auch Thiere, selbst von verschiedener Gat-tung, aber von ähnlicher Organisation, zur Vereinigung, indem vielevon ihnen sich von selbst in Gruppen bilden. Selbst über mehrereGeschlechter der Pflanzen scheint sich dieses Band der Fami-lienverbindnngen zu erstrecken. Ohne Zweifel haben auch diemenschlichen Vereinigungen zu größeren Gesellschaften und zu gan-zen Staaten denselben Ursprung. Und wie in der Ehe, wie inLittrow ii- 34