Ritter's Geschichte der Philosophie. 7
Angaben der Jndier aus alten Zeiten sagt, ist von den Engländernund von Laplace bereits viel besser erörtert worden. WaS S. 60u. f. über die alte Bildung der HinduS vorkömmt, scheint nicht vielzu beweisen, läßt noch eine Menge Fragen unbeantwortet, und istüberhaupt mehr unbestimmte, vage Meinung, als sireö Resultat irgendeiner Forschung. WaS sollen uns Aeußerungen der Art wie S. 65:„Wir sind sogar geneigt, anzunehmen, daß . . . indem wir eS jedochjetzt für unmöglich halten, hierüber eine historische Entscheidung zufinden." WaS heißt das anders, als: eS beliebt uns etwaü anzu-nehmen, wozu wir jedoch keinen Grund haben. ES scheint uns über-haupt, als ob durch das ganze Kapitel von der indischen Philosophiekein einziger wesentlicher Punkt dieses Gegenstandes berichtiget oderaufgeklärt worden wäre, und daß eS besser gewesen wäre, diesen Tbeilder Geschichte ganz wegzulassen, da dem Vers. offenbar die Mittelfehlten, ihn gehörig zu behandeln.
Mehr auf festem Boden finden wir den Vers. sobald er Grie-chenland betritt, wo ihm nicht bloß viele. Vorarbeiten anderer, son-dern auch eine nähere Kenntniß der Duellen und der Sprache desLandes hülfreiche Hand bieten. Im Gegensatze mit der gewöhnlichenAnnähme, daß sich die erste Philosophie dieses Volkes aus ihren reli-giösen Ideen entwickelte, glaubt er vielmehr, und, wie unö däucht,mit Recht, daß die Philosophie der Griechen besonders deßwegen sofröhlich gedieh, weil ihr die Volksreligion nicht entgegenkam, ja ihrsogar in den meisten Fällen widersprach. Denn je mehr die Mytho-logie Unwürdiges von den Göttern aussagte, desto mehr ließ sie daSwissenschaftliche Nachdenken frei, desto mehr rief sie daS philoso-phische Streben hervor, welches bei jenem Volke sich sehr früh ineine constante Opposition mit jenem krassen Volksglauben zu setzenwußte, so daß schon die ersten Philosophen der Griechen diese läppi-schen Ueberlieferungen verspottet oder sich eine eigene Theogonie fabri-cirt haben. Dagegen sollen die Mysterien der Philosophie zwarvorgearbeitet haben, aber doch ohne auf die Benennung der Wissen-schaft selbst einen gegründeten Anspruch machen zu können. DieseMysterien gaben nur dem zur Spekulation geneigten Geiste der Grie-chen die Richtung auf daS Uebersinnliche, und erweckten in ihnen An-dacht und Nachdenken. Aber die eigentliche spätere Philosophie wußtesich bald, wie von der Mythologie des Volkes, so auch von den My-sterien desselben los zu machen. Wahre Aufklärung über das Wesendieser Mysterien aber wird man auch hier, wie bisher überall, ver-