Band 
Dritter Band.
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8 Rltter'S Geschichte der Philosophie.

gebens suchen, weil uns nach so später Zeit die Mittel fehle«, in sodunkeln Gegenden Entdeckungen zu machen.

Die Frage, ob die Griechen ihre erste Philosophie von denMorgenländern erhalten haben, wird sich setzt schwerlich mehr befrie-digend beantworten lassen. Der Verfasser widmet der Frage vielMühe und Fleiß, bekennt aber selbst, daß dabei das Meiste nur aufallgemeinen Vorstellungen und auf Wahrscheinlichkeiten beruhe, denenman wieder andere Wahrscheinlichkeiten entgegen setzen könne. Erstimmt übrigens dafür, daß die griechische Philosophie dem Morgen-lande nichts schuldig und auf eigenem Boden entstanden sey.

Die Geschichte der eigentlichen griechischen Philosophie theilt derVerfasser sehr zweckmäßig in drei wesentlich verschiedene Perioden.Die erste reicht von Thales bis SokrateS (400 Jahre vorEh. G-). Das Ende dieser Periode ist eine der reichsten an geistigerBewegung in der ganzen Menschengeschichte. Die zweite Periode gehtvon Sokrates bis nahe 50 Jahre vor Chr. G., oder von Platobis zu der Zeit, wo Cicero die griechische Philosophie auf römischenBoden zu verpflanzen suchte. Sie ist die eigentliche goldene Frucht-zeit der Philosophie. Die dritte Periode endlich geht von Cicerobis nahe 600 Jahre nach Christi, und enthält den Verfallund daS gänzliche Erlöschen der eigentlich griechischen Philosophie.Ihr Anfang ist durch die Verbreitung und Einmischung orienta-lischen Aberglaubens ausgezeichnet, und ihre letzte Hälfte beginnt mitdem Skepticismus und endet mit mönchischen Spitzfindigkeiten überden Aristoteles. Die Gründe zu dieser sehr verständigen Einthei-lung werden in dem Werke selbst umständlich entwickelt.

Die ersten philosophischen Schulen Griechenlands sind die ionischeund die dorische. Jene wurde vorzüglich in Kleinasien gepflegt, undwar, nach Art unserer Physik, mehr der Betrachtung der Natur ge-widmet. Die dorische, die besonders in Unteritalicn blühte, wandtesich mehr auf das Ethische, was dann später von Pythagoras wei-ter ausgebildet wurde. Zwischen diesen beiden Schulen entstand dieeleatische, die von jeder derselben etwas gemein hatte. Der Stifterder letzten war TenophaneS, ihr Hauptsitz war Elea in Kleinasien,und ihr Zweck die Logik und Dialektik. Alle diese Schulen tragenaber schon das Gepräge, welches späterhin die griechische Philosophieso sehr auszeichnete, daß sie mehr auf die subjektive, als auf die ob-jektive Weise des Denkens gerichtet sind, daß sie die Wissenschaft mehrals ein Kunstwerk an sich, als ein Mittel zur Erkenntniß der wate-