Treviranus, organisches Leben.
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Betrachtungen angestellt. Die Triebe der Thiere, die wir mit demWorte Instinkt bezeichnen, können nicht Produkte einer der unsrigenähnlichen Vernunft seyn, die bloß durch die Eindrücke der Sinnen-welt geleitet wird; denn jene beziehen sich, zum Theil wenigstens,auf ein Künftiges, wovon die Sinne noch nie gerührt wurden; siewerden, noch vor allen Versuchen und Erfahrungen, schon mit Sicher-heit hervorgebracht, ja sie hören zum Theil mit der Entwicklung derExistenz in der Sinnenwelt auf. Wie aber ist zweckmäßiges Wirkenohne Bewußtseyn möglich? DaS ist daS große Räthsel, woraus wirbei sedem Schritte in der Naturlehre der lebenden Wesen stoßen.Bei jeder Muükelthätigkeit unseres Körpers, die von unserem Willenerregt wird, sind wir uns wohl des letzten Zweckes, aber nicht derMittel bewußt. Der Zugvogel, der Winterschläser aber scheint wedervom Mittel, noch vom Zwecke einen deutlichen Begriff zu haben, undweiß doch daS erste zu brauchen und daS andere zu erreichen. Jedeszweckmäßige Wirken aber, eö sey welcher Art eS wolle, ist ohne eineAnalogie der Vernunft nicht denkbar. Dieses der Vernunft ähnlichePrinzip, daS in allen lebenden Wesen angetroffen wird, läßt sichentweder in einer allgemeinen Weltscele, oder in einer Seele jedeseinzelnen Wesens suchen. Die erste Hypothese hebt alles individuellegeistige Daseyn auf, und gibt doch keine Erklärung der Erscheinungen.Diese Weltseele ist entweder nichts, oder sie ist die Gottheit selbst.Nichts gegen sich, die Erfahrung für sich aber hat der Satz: Allelebenden Wesen stehen gegen einander in einer, nicht durch Sinnen-,eindrücke vermittelten Wechselwirkung. Dafür zeugen z. B. das festeVerhältniß der Zahl der Gebornen zu der der Gestorbenen, das ebenso feste Verhältniß der beiden Geschlechter; die geistige Einwirkungder Mutter auf die Frucht, die Erscheinungen des Schlafwandclnsu. dgl. — Dies zum Beispiele, wie der Verfasser die philosophischeSeite der Naturlehre behandelt.
Daß ein Bewußtseyn ohne alle Erinnerung existirt, folgt ausder Wahrnehmung, daß der Gedanke oft schon früher da ist, als derAusdruck, und daß wir oft so lange das rechte Wort, daS rechteZeichen für das Bezeichnete suchen müssen, obschon die Vorstellungselbst keineswegs dunkel ist. Das menschliche Denken ist zweierleiArt. DaS mittelbare besteht im Abstrahiern und Neflektiren, undfängt erst mit dem Leben in der Sinnenwelt an. DaS unmittel-bare Denken aber geschieht schon vor der Entwicklung der äußerenSinne, vermöge der, nicht durch diese Sinne, vermittelten Erkenntniß
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