Tre'viranus, organisches Leben.
109
in ihren Beobachtungen der Durchgänge der Sterne an den Fädenihrer Fernrohre bemerkt haben. Daher mehrere Thiere während derPaarungszeit keine Nahrung zu sich nehmen.
Viele äußeren Einwirkungen auf den Körper gelangen zu diesen,nicht durch die Nerven, sondern nur durch das Blut. So z. B.wirken die meisten Gssie nicht, wenn bloß der entblößte Nerve damitbestrichen wird. Die Zufalle von Vergiftung treten immer erst nachdem Einfluß des Giftes aus das Blut ein. Wunderbar ist dabei dieAehnlichkeit dieser Wirkungen mit einzelnen Trieben und Leidenschaf-ten. Die rothe Digitalis wirkt wie der Kummer auf das Blut; diefalsche Angustura wie die Angst auf das Athcmholen; das Opiumwie die übermäßige Freude auf das Gehirn; alle drastischen Gifte wiedie Furcht aus den Darmkanal, und endlich die Vanille wie der Ge-schlechtstrieb auf die Organe der Zeugung.
In dem nun folgenden neunten Buche geht der Verfasser diefünf gewöhnlich sogenannten äußeren Sinne durch. Den speciellenBetrachtungen derselben gehen einige allgemeine Bemerkungen voraus,von welchen wir nur die vorzüglichsten hier kurz anführen wollen. —Die Vollkommenheit der Sinne steigt im Allgemeinen von den nieder-sten Thieren bis zum Menschen. Mit der größeren Vollkommenheitjedes Sinnes ist immer ein höherer Grad von Ausbildung der ihm««gehörigen Nerven verbunden. Dieser höhere Grad gibt sich nichtdurch vermehrtes Volum der Nervenmasse, sondern dadurch zu erkennen,daß mehrere verschiedene Nerven sich in den Organen des Sinnesverbreiten. Es ist Gesetz für alle Wirbelthiere, daß ihre Sinneü-werkzeuge, die des Gefühls ausgenommen, außer den eigenen Nerven,die zu den Muskeln derselben gehen, zwei besondere Nerven fürdie Aufnahme der Sinneseindrücke besitzen, welche letztere die wirbel-losen Thiere nicht haben.
Jeder Sinn wirkt ungcmein schnell, besonders der des Gesichtsund des Gehörs, dessen Eindrücke urplötzlich von den äußersten Endender Nerven zu dem Sensorium gelangen. Doch wird auch hier einegewisse, wenn gleich sehr kurze Zeit, zur Fortpflanzung des Eindruckserforderlich seyn, wie der feurige Kreis einer umgeschwungenen glü-henden Kohle zeigt.
Der Gefühlösinn äußert sich vorzüglich bei dem Eindrucke deräußeren Temperatur auf den thierischen Körper. Aber nicht bloß dieThcrmometerwärme, sondern auch die Verschiedenheit der Leitungs-fähigkeit äußerer Körper wirkt auf das Gefühl. So kann die Lust