330
Oberes!!, ^»tronomx.
nämlich aus solchen Blumen bestehen, deren Blüthen sich zu bestimm-ten Tagesstunden öffnen oder schließen. So öffnet rie llemerocallislulvs ihre Blüthen um fünf Uhr Morgens, das beonlocloii Isrsxacumum sechs, daS Uieraoi'um Islilolium um sieben, die Lslenäula arvensisum neun, daö Aösombrpanlliemum I^eap. um zehn Uhr u. s., undähnliche Abendstunden sind auch für das Schließen dieser Blüthen be-stimmt. Andere Pflanzen zeigen durch daö Entfalten oder Zusammen-legen ihrer Blumen die nahe bevorstehende Witterung an, und diesenannte Linus meteorische Pflanzen; andere, die tropischen pflan-zen, richten sich in der Zeit dcö Offenstehenü ihrer Blüthen nach derLänge des TagcS; wieder andere,, die Aequinoctial - Pflanzenhaben eine Blükhezeit, die, wie die Tage am Arquator, immer vonderselben Länge sind, und die daher, wie eS scheint, von Licht undWärme nicht, oder doch nicht in demselben Grade, wie die übrigen,afficirt werden.
Der berühmte Decandolle hat über diese Eigenschaft der Pflan-zen mehrere sehr schöne Versuche gemacht. Er stellte mehrere dersel-ben in Kellern auf, die er entweder ganz dunkel ließ, oder durch Lam-penlicht erhellte. Auf einige hatte dieses künstliche Licht keinen Ein-fluß, wie z. B. auf den Lvnvolvulus nrvensis, auf die Lilkns lrulieoss,die ihre frühere Blüthestunde, wie im Freien, unverändert beibehielten.Am meisten aber wurden diejenigen Pflanzen afficirt, deren Blumensich bei der Nacht zu entfalten pflegen. Einige aecelcrirten ihrenGang so sehr, daß sie in drei Tagen schon einen halben Tag gewonnenhatten, und nun in den Morgenstunden sich entfalteten. Die ülimorspuciios, die am Tage im Finsteren, und bei der Nacht im von Lam-pen beleuchteten Keller gehalten wurde, gewöhnte sich schon in dreiTagen an die neue Ordnung, indem sie nun ihre Blätter Abends öff-nete und Morgens schloß; aber in die freie Luft zurückgebracht, nahmsie eben so geschwind wieder die frühere Gewohnheit an.
Vergebens wird man einwenden, sagt unser Verfasser, daß dieseperiodischen Erscheinungen an den Pflanzen durch äußere Einwirkungen,besonders durch Licht und Wärme der Sonne, erzeugt werden. Denn,fragt er, wie kömmt eS, daß die Pflanzen überhaupt irgend eine Pe-riode in Beziehung auf die Wirkungen beobachten, die Licht und Wärmeauf sie ausüben? Diese Eigenschaft muß in ihrem Inneren, sie mußin ihrer Constitution liegen, sie muß ihnen absichtlich mitgetheilt wor-den seyn. — Dasselbe findet man auch bei dem Schlafe der Thiereund Menschen, der eben so an bestimmte Perioden gebunden ist, die