>Vlisrvell, Astronom;'.
361
selbst führe». Wir wollen ihm in seinen Versuche» nicht folgen, dasie in der That am Ende zu nichts führen, und bloß bemerken, daßer, als einziges Beispiel in der Natur, die Bewegung der Erde umsich selbst und um die Sonne, für sein Axiom aufzufinden weiß. „Manbehauptet," sagt er, „daß jede Bewegung offenbar immer dieselbebleiben muß, so lange nichts da ist, was sie ändern sollte. AlleindaS heißt," entgegnet er, „mit bloßen Worten streiten. Man sieht da-bei die Geschwindigkeit oder die Bewegung eines Körpers alsein Ding an sich an, daS schon a priori einen Anspruch auf unver-änderliche Beständigkeit hat. Aber warum soll die Geschwindigkeiteines Körpers immer dieselbe bleiben und warum nicht auch seine Tem-peratur? Heiße Körper werden mit der Zeit kühler, wenn siesich selbst überlassen bleiben; warum sollen nicht auch bewegteKörper, sich selbst überlassen, mit der Zeit sich weniger langsamer be-wegen? Wie soll ein Körper in der nächsten Secunde tausend Fußbeschreiben, blos weil er in der vorhergehenden Secunde ebenfalls tau-send Fuß beschrieben hat? — Allerdings, die Erfahrung zeigt uns,daß eS so ist. Aber könnte es nicht auch anders seyn? — Wirwissen eö nicht. Aber so viel wissen wir, daß, wenn eS anders wäre,eS nicht besser seyn würde, als es setzt ist. Wenn z. B. die Bewe-gungen der himmlischen Körper mit der Zeit von selbst immer lang-samer würden, so müßte am Ende die ganze große Maschine unseresPlanetensystems in den Zustand einer todten Ruhe versetzt werden.Wenn unsere Erde jeden folgenden Umschwung um ihre eigene Achseauch nur um den hundertsten Theil einer Sekunde langsamer machte,so würde seit 6000 Jahren, seit dem Anfange unserer Menschenge-schichte, der Tag schon um volle sechs Stunden länger geworden seyn,als er im Anfange dieser Periode war. In 24000 Jahren nach jenerEpoche würde unser Tag noch einmal so groß oder gleich 96 Stun-den seyn, und in 720000 Jahren würde er 30mal so lang als setztseyn, oder jeder Tag der Erde würde einen ganzen gegenwärtigenMonat betragen. Dadurch würden die vielen Einrichtungen der Na-tur, die so innig mit der Länge des Tages zusammenhängen, in diegrößten Unordnungen gerathen. Und noch schlimmere Folgen würdeeine ähnliche Vermehrung der Geschwindigkeit in der jährlichen Bewe-gung der Erde um die Sonne haben. Mit jedem Jahre würde sieder Sonne mehr und mehr genähert werden; sie würde in immerkleineren Windungen und mit immer größerer Geschwindigkeit um dieSonne kreisen, und endlich auf sie stürzen. Dasselbe würde der Fall