Band 
Dritter Band.
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Wlisrvall, llistor^ ok inäuot. seisncs».

UM die Sonne in eine Art von Hormonie zu bringen sucht. Alleiner erkannte endlich selbst, in demselben letzten Werke, die Unhaltbar-kcit dieser seiner Hypothesen, er erkannte sie durch Prüfung und Rech-nung, und dieselbe Rechnung führte ihn endlich auch, noch in demselbenWerke, auf daS so lange gesuchte, wahre Verhältniß der Quadrateder Umlaufszeiten mit den Würfeln der großen Aren der Planeten-bahnen. Delambre, der nicht den kleinsten Theil von KeplerS inqui-sitorischem und erfindungsreichem Talente besaß, nimmt keinen Anstand,in seiner oft eben so seichten als spöttischen Manier diese Bemühungendeö großen MannrS zu tadeln. „In allen diesen harmonischen Ver-hältnissen," sagt er (Uist. äo I'^8tr. mocterns, I. 358), „findet sichnicht eine einzige richtige Bemerkung, und in dem ganzen Gewühlevon Ideen auch nicht eine einzige Wahrheit, und der frühere hoheGeist KeplerS ist wieder zu einem ganz gemeinen herabgesunken." Eswürde ihm ziemen, duldsamer auf solche Spekulationen hinznblicken,und sich zu erinnern, daß Newton (Optica, L. II. krop IV.) ganzähnliche Analogien zwischen den Räumen, welche die prismatischen Far-be» seines SpectrumS trennten, und zwischen den musikalischen Accordender Tonleiter aufgesucht hat, und daß Kcpler durch seine Hypothesezur Wahrheit, Newton aber durch die seinige auf ein System geführtworden ist, daS setzt allgemein als ein mit der Wahrheit unverträg-liches erkannt wird.

Große Entdeckungen, fährt unser Verfasser fort, pflegen beinahenie ohne Wagniß, ohne eine gewisse Kühnheit des Entdeckers aufzu-treten. Ohne Zweifel wird zum Auffinden der Wahrheit sorsältigeUeberlegung und Prüfung, aber auch schnelle Auffassung und lebendigeBefruchtung des Gegenstandes erfordert. Die Erfindungskraft bestehtin dem Talente, alle Fälle, die eintreten können, schnell zu übersehen,und aus ihnen die geeignetsten auszuwählen. Wenn die ungeeigneteneinmal als solche erkannt und verworfen worden, so werden sie auchgewöhnlich bald ganz vergessen, und nur wenige sener Entdecker habenes für gut befunden, uns auch ihre Irrthümer, ihre mißlungenen Ver-suche und ihre verunglückten Hypothesen mitzutheilen. Der Weg zurWahrheit aber ist beinahe immer von Irrwegen durchschlungen, undbeinahe nie geht der menschliche Geist auf derjenigen Bahn, die amkürzesten zum Ziele führt. Aber wenn Irrwege und Mißgriffe unver-meidlich sind, so kömmt es darauf an, die Falschheit derselben schnellzu entdecken, und sich von dem Irrigen sogleich wieder aus den wah-ren Weg zu wenden. Und eben dadurch ist uns Kepler, als Schrift-