Band 
Dritter Band.
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VV'iierrcII, Uistor)' ok inäuct. Sciences.

schon deßhalb sein System nicht blos für das wahre, sondern auch zu-gleich für das allein mögliche. „Ich würde," setzte er hinzu, „ich würdemir sehr wenig darauf einbilden, den Menschen gezeigt zu haben,auf welche Weise die Welt entstanden ist, wenn ich nicht zugleichhätte zeigen können, daß sie auf diese, und nur auf diese Weise ent-stehen muß." Man sieht schon aus dieser hochmüthigen und höchstunbescheidenen Aeußerung, die sich in unseren Tagen kein nüchternerNaturforscher mehr erlauben würde, daß Descartes noch der altendogmatischen Schule angehörte, so sehr er sich auch von ihr loszu-machen, und eine neue, ihm eigene Bahn einzuschlagen sich bestrebte.Hierin liegt aber auch zugleich der Grund, warum er und sein Sy-stem so viele Anhänger gefunden hat. Es war, in seinen Hauptzüge«wenigstens, leicht zu begreifen; es gab jedem, der eS nur eben halbverstanden hatte, Gelegenheit mitzureden, waö die meisten immer gernthun; die dogmatische Form desselben gewann vorzüglich diejenigen,die nicht gern selbst denken, und allen war es höchst willkommen, daßman bei diesem Systeme jener beschwerlichen Beobachtungen und Rech-nungen überhoben war, während cS doch zugleich, durch die strengphilosophische Deduction des Ganzen aus einigen wenigen Vorder-sätzen, etwas von dem Glänze und der wenigstens scheinbaren Sicher-heit einer rein mathematischen Theorie, denn für eine solche wurdesie ausgegeben, an sich trug.

Nachdem der Verfasser S. 133 u. f. dieses System seinen Lesernweiter aus einander gesetzt hat, geht er zu dem Manne selbst undseinen bürgerlichen Verhältnissen über, die auch gewiß nicht wenig zuder guten Aufnahme seiner Lehre beigetragen haben. Descartes wirdals einer der ausgezeichnetsten speculativen Köpfe und als eines derersten mathematischen Talente geschildert, dessen Stellung als Fami-lienvater und Soldat, als Philosoph, als ein von wüthenden Bigottenverfolgter, und als Lehrer zweier Fürstinnen ihm mannigfaltige Ge-nüsse und Leiden bereitete. Die eine dieser hohen Frauen, Elisabeth,Tochter des Churfürsten Friedrich und Enkelin Jakob'S I. von Eng-land, soll zugleich seine Geliebte gewesen seyn, und die andere, Chri-stine, Königin von Schweden, die nach ihrem Uebergange zur katho-lischen Religion ein Privatleben zu Rom führte, geizte so sehr nachseinem belehrenden Umgänge, daß sie denselben zu dem ersten Ge-schäfte eines jeden ihrer.Tage machte, die sie mit ihm verlebte. JedenMorgen um fünf Uhr erwartete sie ihren Philosophen, um sich mitihm zu unterhalten. Aber das rauhe Klima Schwedens und diese