Band 
Dritter Band.
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IVIisveell, Histor^ os inäuet. zoisnces.

Betrachtung des Gegenstandes geführt wird. Er findet nämlich, daßPtolemäuS den Begriff einer Vibration des tönenden Körpers,wenn er ihn überhaupt gehörig aufgefaßt hat, doch nicht als wesent-lich zum Schalle gehörend betrachtet, selbst nicht bei den tönendenSaiten, von denen er doch so viel spricht, und daß endlich an eineVibration der Luft weder Ptolemäus noch selbst einer der Altenauch nur gedacht hat, ausgenommen so weit, daß sie solche Bewegungder Lust zur bloßen Weiterschaffung deö Schalles vorausgesetzt haben.

Dadurch wird man also gleichsam von selbst auf die Hauptfragein der Geschichte der Akustik geführt, wer zuerst die Vibration dertönenden Körper entdeckt habe? — Schon der große Baco (lli-storis 8oiü et ^uüitus) äußert sich darüber auf folgende Art: „DieDauer des Tones einer Saite oder einer Glocke kömmt nicht von demersten Anstoße dieser Körper, sondern die Erzitterung, das fortgesetzteErbeben dieser Körper erzeugt immerwährend einen neuen Ton. Dennwenn man diese zitternde Bewegung aufhebt, indem man die Saiteoder die Glocke festhält, so stirbt der Ton sogleich ab." Beson-ders scheint sich bei langen, gespannten Saiten dieses Beben, diesesSchwingen derselben selbst dem Auge deutlich darzustellen, und eswar gewiß nicht ohne wesentlichen Einfluß auf die Berichtigung derAnsichten über diese Bewegungen der tönenden Körper, daß sich umdieselbe Zeit, als sie zuerst unsere Aufmerksamkeit erregten, auch dieLehre Galilci'ö von einer anderen, sehr analogen Schwingung, vonder des Pendels, zu verbreiten anfing. Einer der ersten, oder wohlder erste, der sich mit der Beobachtung der schwingenden Saiten an-haltend und mit Erfolg beschäftigte, war Mersenne in Frankreich,einer der eifrigsten Anhänger und Verbreiter der Galilei'schen Lehre(m. s. seine Kurmonioor. lüden. ?ar'>5 1636). Er setzt in diesemWerke bereits die vorzüglichsten Gesetze aus seinen Beobachtungenfest, die wir fetzt noch an den schwingenden Saiten als die wahrenerkennen, und die sich auf die Länge und Dicke der Saiten und ausdie Spannung derselben beziehen. Diese Untersuchungen Mersenne'sscheinen anfangs nicht die ihnen gebührende Aufmerksamkeit der ande-ren erhalten zu haben. Erst als Hooke im Jahre 1681 zu London,Stancari 1706 zu Bologna und bald daraus Sauveur ähnliche Ver-suche angestellt und bekannt gemacht hatten, traten die früheren Ver-dienste Mersenne's in ihr ganzes Licht. Sauveur war übrigenseiner der größten und thätigsten Beförderer der neuen Wissenschaft,obschon er die ersten sieben Jahre seines Lebens ganz taub gewesen