Band 
Dritter Band.
Seite
430
JPEG-Download
 

430

VVIievell, Uistor^ ol inäuct. seiancss.

struktion einer Wissenschaft kann füglich mit der Errichtung einer Straßeverglichen werden, auf welcher der menschliche Geist von seinem inner-sten Wohnsitze zu irgend einer Provinz der ihn umgebenden Außen-welt gelangen will. Eö bedarf da vor allem einer Brücke, um vonden innersten Gemächern unserer Ideen und spekulativen Prinzipienzu jenen entfernten Gestaden der materiellen Thatsachen zu gelangen.Nach allen Seiten hin ist aber der Abgrund, der beide von einandertrennt, zu breit, um ihn gleichsam mit einem Sprunge zu übersetzen,so lange man keine Zwischenpunkte findet, auf denen man, als aufeben so vielen Grundpfeilern, jene Verbindungsbrücke stützen kann.Bloße Thatsachen, ohne Gesetz und Zusammenhang, sind nur demrohen, losen Gesteine gleich zu achten, das man an dem jenseitigen Ufergebrochen, und auf Gerathewohl zusammengelesen hat, und auf denendie Bogen jener Brücke nie mit Sicherheit errichtet werden können.Eben so sind aber auch bloße hypothetische, wenn auch streng mathe-matische Calculationen nur als Entwürfe, als Pläne für jene nochkünftige Brücke zu betrachten, Pläne, die sich oft nur auf einen ein-zigen Bogen dieser Brücke beziehen, der aus der einen Seite einst-weilen auf jenen Ideen und Hypothesen ruhen, und auf der anderenin der Lust hängen soll, und dem, so kunstreich er auch zuweilen aufdem Papier entworfen seyn mag, doch keine Realität in der Außen-welt entspricht. ES bedarf also vor allem einer feste» Unterlage vonunter einander zusammenhängenden Thatsachen, Beobachtungen, Ge-setzen und Geveralisationcn, um darauf ein ebenfalls zusammenhän-gendes und festes Gebäude zwischen seinen beiden Extremen errichtenzu können. Bei den Gegenständen, die zur Wissenschaft der Akustikgehören, fehlt eS uns allerdings nicht an solchen Zwischenpunkte», abersie sind meistentheils nur sehr unregelmäßig verstreut, und manche der-selben stehen noch unter Wasser, so daß man sie nicht immer ganzdeutlich sehen kann. Die Anzahl der bereits beobachteten Verhältnisseund Gesetze der Phänomene des Schalles ist bereits sehr groß, undobschon es vielleicht noch lange währen mag, so darf man doch hoffen,sie alle eines Tages durch klare mechanische Bande unter einander inVerbindung zu bringen, und dadurch die Akustik zu dem Range einereigentlichen Wissenschaft zu erheben.

Auch die Geschichte der Optik, welche der Gegenstand desneunten Buches ist, beginnt mit der Betrachtung, daß sie, umständ-lich beschrieben, viele Bände füllen würde, während sie hier, derAbsicht des Verfassers gemäß, nur in verhältnißmäßig sehr enge