Band 
Dritter Band.
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VVbewell, Histor^ ok inäuct. Sciences. 435

Hierher gehören auch die verwandten Stellen von Goethe'sFarbenlehre, über die sich unser Verfasser S. 357 auf folgendeWeise äußert: „Dieses allgemeinen Beifalls ungeachtet, mit welchemdie Theorie Newton'S im In- und Auslande aufgenommen wurde,hat sich doch eine Stimme dagegen, und zwar von einer Seite ver-nehmen lassen, von der man wohl eine so umständliche Discussiondes Gegenstandes am wenigsten erwartet hätte. Der berühmte Göthebat nämlich erst in unseren Tagen eine, wie er sagt, ganz neue

Farbenlehre ausgestellt. Einer der Hauptzwecke der Schrift, in wel-

cher er diese seine Lehre entwickelt, ist, Newton'S Ansichten und dasWerk, in welchem er dieselben bekannt gemacht hat (Newton'S Optik),als ein durchaus falsches und mißverstandenes darzustellen, dem bis-her nur die äußerste Blindheit und das hartnäckigste Vorurtheil sei-nen Beifall geben konnte. — Wer da weiß, fährt unser Verfasser

fort, wie weit und schnell sich eine von Göthe aufgestellte Meinungin Deutschland verbreitet, der wird auch nicht verwundert seyn, beiandern Schriftstellern dieses Volkes dieselbe Sprache wieder zu hören.So sagt Schelling (in seinen Vorlesungen S. 270): „Newton'SOptik ist das größte Beispiel eines ganzen Systems von Irrthümern,das in allen seinen Theilen auf Beobachtung und Erfahrung gegründetist." — Allein auch mit dieser Aeußerung über Newton'S Werk istGöthe noch lange nicht zufrieden gestellt. Er selbst geht dafür einengroßen Theil dieses Werkes Seite für Seite durch, zankt und hadertohne Unterlaß mit jeder Zeile, mit jedem Experimente, mit jedervon Newton gebrauchten Figur, mit jedem einzelnen Worte desselben,und zieht endlich aus allem den Schluß, daß der Inhalt des ganzenWerkes mit den einfachsten Beobachtungen und Thatsachen in direktemWidersprüche steht. Als ich, so erklärt er selbst, das erste Maldurch ein Prisma schaute, sah ich die weiße Wand meines Zimmersimmer nur weiß und obschon ich ganz allein war, so rief ich dochwie durch Jnstinct getrieben sogleich auS: „Newton'S Lehre ist grund-falsch!" — Eö wird wohl ganz unnöthig seyn, fährt unser Verfasserfort, hier zu sagen, daß eS ganz unangemessen der Newton'schenTheorie seyn mußte, zu erwarten, wie Göthe that, daß die Wändeseiner Stube überall mit Farben überzogen werden sollten. AlleinGöthe begnügte sich nicht, die Meinung von der gänzlichen Falschheitder Theorie Newton'S anzunehmen, und auf das Tapferste gegenJedermann zu vertheidigen; sondern er wollte auch zugleich als derSchöpfer einer anderen, ganz neuen Theorie auftreten. Besonders

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