Band 
Dritter Band.
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Wkevvell, Ilistor^ ok inäuct. Sciences.

schien es ihm darum zu thun zu seyn, die wahre Natur der Farbenaus ihren letzten Gründen zu erklären. Der Sonderbarkeit wegenmag eS erlaubt seyn, einige Augenblicke bei dieser neuen Theorie zuverweilen.

Göthe's Ansichten sind in der That nur wenig von denen desAristoteles und des Antonio De Domlnis verschieden, obschon er sievollständiger und systematischer entwickelt. Farben, sagt er, entstehen,wenn wir durch ein trübeS Mittel sehen. DaS Licht an sich selbstist farblos, aber durch ein etwas trübes Mittel gesehen, erscheint eSgelb; durch ein noch trüberes erscheint es gelbroth und endlich rubin-roth. Und wieder umgekehrt, wenn man die Finsterniß durch eintrübes Medium, das durch ein darauf fallendes L.cht erleuchtet wird,besieht, so bemerkt man eine blaue Farbe, die immer Heller undblässer wird, je mehr die Trübe deö MediumS wächst, und die ebenso immer dunkler und satter wird, wenn daS trübe Mittel durch-sichtiger ist, und wenn man auf diese Weise zu dem geringsten Gradeder reinsten Trübe kömmt, so sieht man ein ganz vollkommenes Violet.— Als Zugabe dieser Theorie folgt noch seine Lehre von den soge-nannten „acccssorischen Bildern," d. h. von Nebcnbildern, die dasHauptbild begleiten, so oft man z. B. sehr hell erleuchtete Gegen-stände in einem Spiegel betrachte. Wenn nun, fährt er fort, einsolches Bild durch die Refraktion von seiner Stelle verrückt wird, soist diese Veränderung nie ganz vollständig, klar und scharf, sondernsie ist nur unvollständig, und so, daß immer ein accessorischeS Bildsich neben jenem Hauptbilde hinzieht. Und auS diesem Principe wer-den nun sofort die Farben durch die Refraktion in dem Bilde eineshellleuchtenden Gegenstandes ohne Weiteres erklärt.

Es wird wohl überflüssig seyn, schließt unser Verfasser, diesessogenannte System hier noch weiter zu verfolgen, und zu zeigen, wieschwankend, unbestimmt und grundlos alle die hier aufgestellten Be-griffe und Ansichten sind. Vielleicht ist eS aber interessanter, dieEigenthümlichkeiten in Göthe's Charakter aufzufinden, durch welcheein Mann seiner Art zu so ausgezeichnet unphylosophischen Ansich-ten geführt werden konnte. Eine dieser Eigenthümlichkeiten ist wohldie, daß er, wie alle Menschen, in welchen die dichterische Imagi-nation vorherrscht, alles mathematischen Talentes baar, und deSeigentlich geometrischen Denkens ganz unfähig gewesen ist. Nach allerWahrscheinlichkeit hat er die Schlüsse und Relationen, auf denenNewton'S Lehre gebaut ist, nie klar und stetig aufgefaßt. Ein anderer