474
Arago'S Aufsätze.
verbunden mit der darüber stehenden Luftsäule, so muß die Plattegehoben, und dem Dampfe ein freier AuSgang gestattet werden.
Allein so einfach und verläßlich dieses Mittel in der Theorieerscheint, so hat eS doch nur zu oft schon seine Dienste versagt. Bei-nahe alle bisher geborstenen Kessel, und deren sind nicht wenige,waren mit solchen Ventilen versehen. Arago glaubt, daß die Oeff-nungen dieser Platten bisher durchaus zu klein genommen wurden.Sobald die Spannkraft des Dampfes die Platte mit ihrem Gewichtehebt, und daher die Gefahr des ZerspringcnS näher tritt, so muß,um diese Gefahr in der That abzuwenden, durch diese Oeffnung aucheben so viel Dampf entweichen, nnd zwar schnell entweichen, als inderselben Zeit durch die Feuerung producirt wird. Allein eS gibtFälle, wo plötzlich eine sehr große Menge Wassers in Dämpfe ver-wandelt wird, und dann reicht die kleine Oeffnung des Ventils nichthin, die Gefahr abzuwenden. Die Sache verhält sich, um ein ange-messenes Gleichniß zu brauchen, wie mit einem Strombette, welchesin gewöhnlichen Zeiten die Wassermasse vollkommen faßt, während eSnach einem Gewitter viel zu enge ist, daher dann der Fluß zu beidenSeiten über seine Ufer tritt.
In Frankreich muß jeder Dampfkessel, bevor er gebraucht werdenkann, einen drei- bis fünfmal größeren Druck des in ihm eingeschlos-senen Dampfes aushalten, als der, zu dem er bestimmt ist. Manhat sich bereits oft genug über diese Anforderung der Regierung jenesLandes beklagt. Sie scheint in der That übertrieben — aber, dieserProbe ungeachtet, zerspringen die französischen Kessel noch immer ebenso oft, als die englischen, für welche jene Probe nicht besteht. DieUrsache davon mag wohl darin liegen, daß jene Proben alle bei dergewöhnlichen Temperatur des Kessels angestellt werden. Allein wenn,durch länger anhaltende Feuerung, das Metall des Kessels mehr er-hitzt wird, so hat es viel weniger Festigkeit, als im kalten Zustande.Das Schmiede-Eisen z. B. hat, nach Tremery's Untersuchungen,wenn eS bis zum Nothglühen erhitzt ist, nur den scheSten Theil derFestigkeit des kalten Eisens. Wenn daher ein Theil deö Kessels biszum Rothglühen erhitzt wird, so kann die Gefahr des Berstens schonsehr nahe seyn, ohne daß sie durch das Ventil angezeigt oder verhin-dert wird. Jene Proben werden aber, nicht durch Feuerung, sonderndurch Wasserdruck bei ganz kalten Kesseln angewendet, nnd könnenauch nicht gut anders angestellt werden, da man sonst für jeden Kesseleinen eigenen Ofen errichten, die Umstehenden durch besondere Vor-