Band 
Dritter Band.
Seite
494
JPEG-Download
 

494

Arago'S Aufsätze.

Haupt haben unter allen Thieren die Böget die höchste Temperatur,die Mollusken, Schalthiere und Würmer aber die niedrigste.

Daß der Mensch in einer viel höheren Temperatur, als dieseines BluteS, längere Zeit durch leben kann, ist auS vielen Beispielenbekannt. Eincü der ältesten ist daS der Mägde, die in dem bann-herrlichen Backofen zu Rochefaucault ihre täglichen Dienste verrichtenmußten, und die oft zehn Minuten in diesem Ofen verweilten, wäh-rend er doch bis auf -s- 106" N. gchcitzt war, so daß einmal Acpfelund rohes Fleisch, die neben den Mägden in dem Ofen lagen, ge-braten wurden. Im I. 1774 machten Banks, Solander u. a.den Versuch, in einer Stube acht Minuten zu verweilen, die über102" N. geheitzt war. In dieser Stube wurden Eier in 20 Minu-ten hart, und ein Beefsteak ward in 30 Minuten weich; die WärmedeS BluteS jener Herren aber wurde nur ganz unbedeutend erhöht.Unter den Thieren scheinen diejenigen am meisten große Hitze zu er-tragen, deren Blut eine sehr geringe Wärme hat, daher die Vögel,deren Temperatur so hoch ist, in stark geheitzten Räumen zuerst sterben.Daß Kleider und Einhüllungen jeder Art nicht bloß gegen die Kälte,sondern auch gegen die Hitze schützen, ist bekannt. Die Spaniertragen ihre Mäntel auch zur Zeit der HundStage, und sie haben daSSprichwort: 6o guo preservs Sei lrio, preserva tumbien äol calor:was gegen die Kälte schützt, schützt eben so gut auch gegen die Hitze.

Wenn die oben genannten Physiker eine Temperatur der sie um-gebenden Luft von 102" noch wohl ertrugen, so war eS dafür nichtso in anderen, dichteren Mitteln. So fanden sie durch wiederholteVersuche, daß sie mit der bloßen Hand vertragen konnten:im Quecksilber die Temperatur von 37.6" N.in Ocl und Alkohol „ „ 43.6

in Wasser „ „ 40.4

Endlich mag noch bemerkt werden, daß mehrere Mensche» den ^Kaffee bei einer Temperatur von 44" R. zu trinken pflegen, ohne,wie eS scheint, ihrem Gaumen oder Magen zu schaden.

Den Schluß dieses Bandes macht eine Abhandlung über dieEntzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, die von vielen dem berühm-ten Physiker Thomas Joung, dem Erfinder der Interferenz deöLichtes, zugeschrieben wurde, die aber Arago für seinen Landsmann,den Franzosen Champollion, vindicirt, der mit Napoleon denFeldzug nach Aegyptcn gemacht, und durch eine Steinplatte, die beiRosette ausgegraben wurde, auf jene interessante Entdeckung gekommen