Feßler'S Biographie.
51L
Schriften des ChrysostomuS, Ambrvsius «. a., nur matt Fegen diedes HicronymuS, Augustinus u. drgl. Die Wunder dieser Leutewollten ihm schon früher nicht recht behagen, weil sie mit seiner Ver-nunft nicht klappten, so wie er sich auch in seinen Gebeten nicht ansie, sondern unmittelbar auf dem kürzesten Wege an Gott selbst wen-de» wollte. Wie wahrscheinlich ist dieß alles bei einem sechs bissiebenjährigen Knaben! — In demselben Alter versuchte er einigenProtestanten, die seine Aeltern zu Tische geladen hatten, durch eineheimlich aus der Apotheke gekaufte Medizin, womit er ihr Tischge-räthe abgerieben hatte, daö leidige Fleischcssen zu verleiden. Uebrigenöwar er damals, wie er sagt, schwerfällig und träge. Als ihn abereinmal der Pater Raphael bei'm Kragen nahm und wacker durch-schüttelte, mit den Worten: „Dübel, sei nicht so faul, sonst wirdnichts aus dir" — da erwachte plötzlich sein Geist und er zog soforteinen neuen Menschen an.
Im Gymnasium saß er täglich durch daS ganze Jahr auf derEselsbank, weil er die trockenen Regeln der Grammatik nicht leidenkonnte. Er tröstete sich damit, daß er die Klassiker las und seinenGeist dennoch bildete, so daß er von seiner Eselsbank stolz auf seineMitschüler in den Ehrenbänken heruntersehen konnte. Als er sichaber einst zum Lxamen bonoris meldete, wies ihn der Professor mitden Worten zurück: „Ein Esel bleibt ein Esel sein Lebenlang." DerBube nahm daö übel und verklagte den Professor bei seinem Vor-steher. Dieser erkannte den hohen Geist der in ihm waltete und gabdem Professor einen derben Verweis.
Gegen sein vierzehntes Jahr fing er an zu schriftstellern.Seine ersten Versuche waren lateinische Gebetbücher. Sie wurde»natürlich nicht gedruckt, aber der Verfasser bewundert noch jetzt in denaufbewahrten Manuscripten seine Geistesrichtung, die ganz mit dedes großen Kirchenvaters Augustin übereinstimmte.
Nun wurde anhaltend studiert. Dadurch litt die Gesundheit desKörpers, Krämpfe, Ohnmachten u. drgl. traten ein und endlich eineallgemeine Schwäche. Er wünschte sich aber dazu Glück: „weil da-durch seine körperliche Kraft herabgestimmt und sein Geist gestärktWürde, die Gelüste des Fleisches zu besiegen."
Dieser Geist wandte sich früh zu einem Mysticismus sehr finstererArt, der mit seiner Vernunft einen Kampf begann, der sich durchsein ganzes Leben fortzieht. Dieses innere Ringen der beiden feind-lichen Kräfte brachte ihn nur zu oft in'ö Gedränge und selbst aufAbwege.
Zwar nahm dieser Mysticismus späterhin eine Art von ra-tionellem Gewand an, aber der innere Kern blieb immer derselbe,so 'wie sein unablässiges Sträuben gegen die unsichtbare Gewalt, dieihn umstrickte, gegen die sein ganzes Wesen krampfhaft ankämpfte,und zu der er doch immer wieder, wie durch einen magischen Zauberhingezogen wurde. Oft genug frohlockt er über seine glücklichen Be-mühungen, sich endlich frei gemacht zu haben von den Banden, die