Feßler's Biographie.
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seine immer wieder kommenden Versicherungen von Charakterstärke ver-nehmen zu müssen. Wir wollen also diese Dinge den Winden über-lassen, denen sie eigentlich angehören, und uns begnügen; hier nochkurz die späteren Perioden unseres Helden an seiner Hand, d. h. seinBuch in unserer Hand, zu durchlaufen.
Im Jahr 1784 verließ er sein verhaßtes Kloster, um alö Pro-fessor der orientalischen Sprachen an die Universität in Lemberg zugehen. Seine Freude war groß, aber kurz. Denn schon einigeWochen nach seiner Ankunft in Lemberg klagt er schon wieder überheimliche und öffentliche Feinde, an deren Spitze der bekannte Ma-thematiker Liesgenig gestanden haben soll. Die eigentliche Ursachedieses Unsterns gibt er, ohne sich dessen deutlich bewußt zu scheinen,S. 190 selbst an. „Ich erkannte bald, daß die Welt eben so wenigfür mich, als ich für sie gemacht war, und daß zwischen uns beiden nieeine harmonische Wechselwirkung statt finden könne." Ein traurigesUrtheil, daS er hier über sich selbst auSsxricht. Diesem gemäß zoger sich also wieder in die Einsamkeit zurück, und wollte selbst mit demandern Geschlechte, daS ihm früher so sehr behagte, nichts mehr zuthun haben, und zwar aus dem Grunde, weil er früher durch denBeichtstuhl mit dem Innersten des weiblichen Herzens gar zu gut be-kannt geworden war. Am Ende aller dieser Dinge, d. h. noch vorAblauf eines Jahres nach dem Antritte seines Lehramtes, bekam ervor lauter Verdruß die Gelbsucht und kam um seine Entlassung oderVersetzung bei der Regierung ein. Da diese nicht so bald erfolgte,als er zu fordern sich berechtigt glaubte, so wurde er S. 221 seinerAmtSgeschäfte und überhaupt aller Theologie und alles Katholicismusmüde und warf sich, zum Zeitvertreib, auf daS Komödienschreiben.Sein erstes Product war ein Trauerspiel, Sidney, daS gräßlich genugwar, und setzt schon längst vergessen ist, obschon es damals, wie ersagt, mit ganz ungeheurem Beifall aufgenommen wurde. Allein seineverruchten Feinde wollten in dieser Tragödie Anspielungen auf einenGroßen finden. Ein Freund berichtete ihm die Machinationen, dieman gegen ihn in Bewegung setzte, und er, im panischen Schrecken,ergriff die Flucht. Bei Nacht und Nebel lief er über die Gränzenach preußisch Schlesien, wo er sich in BreSla« eine Weile aufhielt.Allein auch hier bekam er, wie er S. 226 sagt, durch sein Talent,alles lächerlich zu machen, bald Feinde, und in seinem Unmuthe machteer bei seiner früheren Regierung mehrere Versuche, wieder nach Lem-berg zurückzukehren, die aber alle vergebens waren. Er hielt sichdann einige Zeit bei dem Fürsten Schönaich auf dem Lande auf undmachte von da öftere Ercursionen nach Berlin. In dieser Stadt ginger mehrere Verbindungen mit Freimaurern ein, pflegte Liebschaft miteiner schönen Jüdin, einer wahren Sulamith, u. dgl. Aber allesdaö wollte die große Leere in seiner Seele nicht ausfüllen, bis erendlich zur lutherischen Kirche überging, in deren Schooß er das langvermißte Gut zu finden glaubte, aber auch nicht fand. In diesePeriode fällt seine gänzliche, bis zum Enthusiasmus getriebene Hin-