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Dritter Band.
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Feßler's Biographie.

gebung a« Kant und seine Lehre, die er über alles hochpries und,als er späterhin mit Herder bekannt wurde, wieder über alles ver-achtete und als ein bloßes leeres Geschwätz verwarf.

Die Lücke, die große Kluft in seinem Gemüthe war leidernoch immer nicht geschloffen. Er dachte hin und her, wie er siefüllen möchte. Da fiel ihm ein, unstät wie er war, daß dasgute Essen und das lange Schmausen an dem fremden TischedeS Fürsten Schönaich eigentlich die Ursache von aller jener Oede inseiner Seele sein müßte. Gedacht, gethan. Also ein eigener Tisch,ein eigener Hecrd und kurz — ein Weib, dann wird mit eins allesanders werden. Bei seiner Bekanntschaft mit dem andern Geschlechtewurde eö ihm nicht schwer, eine gar treffliche Jungfrau, wie er sagt,eine wahre Perle unter ihren Schwestern aufzufinden. Allein seinSpäherauge bemerkte bald, und zwar noch vor der Trauung, einigeFlecken an dieser holden Perle. Sie schien ihm die Wirthschaft nichtrecht zu verstehen, nicht viel Sinn für Häuslichkeit und nicht denAufschwung, die Elasticität des Gemüthes zu besitzen, die er nuneinmal an seinem künftigen Weibe finden wollte. Er schrieb ihr alsoS. 259 einen langen, derben Brief, wo er nicht von seiner Liebeoder von seinen Pflichten, sondern bloß von seinen Rechten und den,wahrlich nicht geringen Forderungen sprach, die er an sie zu mache»sich berechtigt glaube. Tausend andere Mädchen, sagt er selbst, wür-den einem so viel fordernden, herrischen Manne ohne alle Umständedie Thüre gewiesen haben — allein die gute Seele fand sich dadurchganz zermalmt, bat nur um Geduld, sie würde gern alles thun, wasin ihren Kräften stehe u. dgl. Sie wurden demnach im Jahre 1792getraut. Der Pastor sprach seinen Segen über das Paar; aber, heißteS S. 270, „der Segen der Natur blieb aus, weil sie zu begierigdarnach schmachtete und seufzte und in Aufschub dessen sich nicht nurunglücklich fühlte, sondern auch zeigte, und weil Ich, damals mitder Abfassung meines Romans, Marc Aurel, beschäftigt, in einerhöheren Ideenwelt lebte, meine Empfänglichkeit für den Genuß derphysischen Welt unterdrückte und jede Anregung dazu mit Ekelzurückwies."

Auch über dieses Betragen wollen wir dem Leser den Commentarüberlassen und uns mit dem bloßen Geschäfte eines treuen Referentenbegnügen. — Die Folge dieses Benehmens war, wie er selbst sagt,eine zehnjährige Ehe voll Verdruß und inneren Unfriedens. Endlich,im eilften Jahre ihres Leidens, entließ er S. 273 die arme Gefan-gene, unversehrt von ihm selbst, an einen andern Mann, mit demsie glücklich und zufrieden lebte und schon in dem ersten Jahre dieFreuden der Mutter genoß.

Noch in demselben Jahre, in welchem er sich von seiner Fraugeschieden hatte, nahm er eine andere, die jüngste von drei Töchterneiner armen Wittwe. Von der Morgengabe derselben kaufte er inPreußen ein Gütchen, und da ihr Vermögen nicht hinreichte, so warendie beiden andern Schwestern so gut, auch daö Ihrige dazu zu lege»,