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Feßler's Biographie.
wieder Noth und Nahrungssorgen ein. Die Brüdergemeinde streckteihm indeß alles vor, sagt er S. 259, was ich mit meiner Familebrauchte, denn schenken konnten mir die guten armen Leute nichts.Nach zwei Jahren erhielt er (man erfährt wieder nicht, warum, danur von heimlichen Feinden überhaupt gesprochen wird) nicht nurseinen Gehalt, sondern auch die Rückstände desselben, und bald darauswurde er sogar Bischof der evangelischen Gemeinden jener Gegendenmit einem reichlichen Einkommen, aber demungcachtet, schreibt erS. 360, habe ich den guten armen Leuten das mir von der Brüder-gemeinde menschenfreundlich Creditirte bis auf den heutigen Tag nochnicht ganz zurückzahlen können, was denn dem guten armenBischof so schmerzlich fällt, daß ihm beinahe das Herz darüber berstenmöchte. Indeß kann er ruhig schlafen, denn die Brüder dürfen, nachihrer Sitte, keine Prozesse anfangen, und wen» auch einer von ihnenso unbrüderlich sein sollte, sein Eigenthum wieder zu fordern, so wirdder Bischof schon Mittel finden, ihn zur Bescheidenheit zu verweisen.Dieses freie Bisthum trat er im August 1817 an. Seine Gemeindeerstreckt sich über neun umliegende Gouvernements, die überj5 6,000 Pro-testanten enthalten. Hier öffnete sich nun eine neue große Bahn für seineThätigkeit.' Er begann seinen Lauf mit den gerichtlichen Untersuchungenzweier Pastoren, deren Lebenslauf ihm nicht gefallen wollte. Ueber-haupt erwachte sein orthodoxer Eifer, seit er zu befehlen hatte, aufeine ganz andere Weise, als früher im Kloster, wo er nur gehorchensollte. Besonders aber lag ihm das ganz gesunkene Aeußere desevangelischen KirchenwesenS und die eigentliche Liturgie sehr am Herzen.Die Predigt, sagt er, sei Nebensache, aber die Liturgie ist bei wei-tem das Wichtigste. Er hätte früher sehr große geistliche Rednergehört, die ihm wohl Vergnügen gemacht, aber doch immer kalt ge-lassen haben, aber der in Wien liturgirende Pabst habe ihn erwärmt,gerührt, ergriffen und so begeistert, daß er damals ganz gewiß zumwahren Geistlichen umgeschaffen worden wäre, wenn er überhauptdazu fähig gewesen wäre. Daher entbrennt denn auch der protestan-tische Eifer unseres KapucinerS ganz gewaltig, wenn er von der welt-lichen Kleidung der Pastöre spricht, die sich nicht entblöden, in Pan-talonS und mit dreieckigem Hute in das Bethaus zu kommen. Nichtsgeht ihm über den langen, weiten, den ganzen Körper mit hohemAnstande bedeckenden Chormantcl, als etwa nur das heilige viereckigeBoret, in das er ganz verliebt ist. So lang er lebe und ihm derHimmel Kraft schenke, werde er alles, was an ihm ist, daran wen-den, dieses vortreffliche viereckige Baret wieder einzuführen, diesenwahren Grundpfeiler der Reformation, und zwar genau in der Formund Größe, wie es Luther und Calvin getragen haben. Für diesenerhabenen Zweck will er freudig sein Kirchenschwert um seine Lendengürten und kämpfen seinen Kamps, und sollte er auch die Rübe seinesLebens, ja sein Leben selbst zum Opfer bringen müssen. Noch fühleer in sich die Kraft seiner Jugend »»geschwächt und er werde siebrauchen, um seine Gegner niederzukämpfen, die zu Tausende» um