Band 
Dritter Band.
Seite
543
JPEG-Download
 

l.ibri, bistolre äss matkemstiguss.

543

machten Versuche alle unvollständig oder ganz unglücklich sind. —Weiter scheint man in der Praxis gekommen zu seyn, hinter welcherdie Theorie noch lange weit zurückblicb, besonders in der Mechanikund Baukunst. Wenn Nadi und Feravante den Thurm de la Ma-gione von Bologna mit sammt seinen Fundamenten, die 80 Fuß Höhehatten, im Jahre 1455 eine so beträchtliche Distanz von 35 Fußverschieben konnten, so mußte ihre praktische Kenntniß der Mechanikkeine geringe gewesen seyn, um so weniger, da die Hülfsmittel unddie Instrumente jener Zeit noch so unvollkommen waren, daß manstatt dem Zirkel nur eine umgekehrte Zange zu brauchen pflegte. Auchan der Verfertigung von Sand-, Wasser- und Gewichtuhren übte sichdaö praktische Talent jener Zeit. Dante spricht in seinem „VerlornenParadies" (Gesang 24, VerS 13) von einer Rädernhr seiner Zeit.Aber im Jahr 1306 schon war bei dem Predigerorden zu Mailandeine große Uhr ausgestellt. Im vierzehnten Jahrhunderte hatten be-reits alle größer» Städte Italiens öffentliche Uhren, welche die Stun-den schlugen. Die Mittagslinie oder der Gnomon in der KircheSt. Johann zu Florenz soll, wie Limenes (storia äs»o gnomons,p. XVIII) sagt, aus dem zehnten Jahrhundert seyn. Derselbe Nme-neS zeigt, daß man zu Florenz schon im neunten Jahrhundert erkannte,daß der alte Julianische Kalender um volle drei Tage fehlerhaft sey,waS schon ziemlich gute Mittel, die Zeit de§ Solstitiums zu bestim-men, voraussetzt. Besonders berühmt machte sich der Uhrmacher Dondiaus Padua gegen 1320 mit einem Werke, wodurch derselbe die Be-wegung der Sonne, des Mondes und der Planeten darstellte. Vonden eigentlich astronomischen Instrumenten scheint man im vierzehntenJahrhundert bloß daS Astrolabium und den Quadranten gekannt zuhaben. Man pflegte damit die Höhe der Gestirne zu messen, undzwar mittelst einer Alhivade, die an ihren beiden Enden mit zweikleinen Oeffnungen versehen war, wie wir dies noch bei den gemei-nen Feldmefferwerkzeugen zu haben pflegen.

Der Verfasser geht nun S. 226 zu der Beschreibung der Mi-nen und Festungswerke, zu den hydraulischen Arbeiten Italiens imvierzehnten Jahrhundert über, wo er das Kanalsystem der Lombardeyschon am Ende deS zwölften Jahrhunderts in einem sehr vorgerücktenZustande erblickt, obschon er gesteht, daß man die Schleusen erstim fünfzehnten Jahrhundert erwähnt sieht. In den Lagunen vonVenedig kannte man schon im eilften Jahrhundert die Mühlen, welchedurch die Ebbe und Fluth des Meeres in Bewegung gesetzt wurden,und die daher ^guimoli hießen. Sie mußten sich natürlich sechs Stun-den in einer, und die andern sechs Stunden in der entgegengesetztenRichtung drehen. Im Jahre 1341 hatte man zu Bologna eine großeSpiunfabrik, deren Maschinen durch daS Wasser in Bewegung gesetztwurden, und welche die Arbeit von viertausend Spinnerinnen verrich-tete, wie Alidosi (inslrullions p. 37) erzählt. — Die Färbekunst derwollenen und leinwandcnen Stoffe war in Florenz schon im vierzehn-ten Jahrhundert sehr vervollkommnet, und der Ertrag derselben machteLittrow I», 35