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I. I. v. Littrow's Biographie.
danach auf einer solchen Promenade wieder in die Nähe einer Schaarvon Hornvieh kam; Littrow, nun schon aufmerksam auf das Betragendes Knaben, war nicht wenig überrascht, als er plötzlich seinen hoff-nungsvollen Zögling, mit einem derben Knittel bewaffnet, mitten inden dichtesten Haufen der Thiere springen, und dort einem Rasendengleich um sich herumhaucn sah. Kein Rufen, kein Schreien half, bisdie Hcerde, glücklicherweise ohne Schaden für den kleinen Wüthrich,versprengt war; nun kam er ruhigen, gemessenen Schrittes zu seinerBegleitung zurück. „Aber was um's Himmels Willen treiben Siedenn?" rief ihn Littrow an. „Ich wollte Ihnen bloß zeigen," lautetedie Antwort, „daß es mir nicht an Muth gebricht, und ich neulichnur eben vorsichtig war."
Einen alten Bedienten im Hause der Grafen wandelte über alldie schönen Dinge, die er seine jungen Herren lehren sah, die Lustan, sich auch mit den Wissenschaften näher bekannt zu machen; erklagte Littrow seine Noth, daß er, damals kein seltener Fall unterLeuten seines Gleichen, nicht lesen und schreiben könne. Der offenbargute Wille des Alten einerseits, Littrow's Gemüthlichkeit andererseitsbewogen diesen zu dem Antrage, ihn in die Lehre zu nehmen, denfener mit tausend Freuden annahm; allein gleich in der ersten Stundeerhoben sich bedeutende Schwierigkeiten, dem Schüler schien selbst daswenige menschliche Gehör zu fehlen, das ihn über die Rudimente desLesens Hinausbringen sollte. Littrow konnte seinen Zuhörer auf keineArt dazu bringen, eine Silbe, die er ihm bereits mit mehreren Selbst-lauten vorgesagt, in der Zusammensetzung mit einem neuen auszu-sprechen. Endlich sing Littrow an, die Geduld zu verlieren. „Sohören Sie doch nur, b...a heißt ba, und b...i? nun — so sagenSie nur irgend etwas, gleichviel was — nur sprechen Siel" Nachlangem Drucksen stammelte der Schüler endlich das Wort „Tisch"heraus, und Littrow gab sein hoffnungsloses Unternehmen auf.
Ein Jagdabentheuer hätte um diese Zeit für Littrow leicht einschlimmes Ende nehmen können. Man war in Erwartung des Fein-des, ver die Gegend bald heimsuchen sollte, darauf bedacht, den Wild-stand so viel möglich noch zu eigenem Vortheile zu vermindern, undstellte zu dieser Absicht sehr häufig Jagden, unter andern auch aufEber an. Littrow ließ sich auf vieles Zureden bewegen, an einerdieser Belustigungen und zwar zu Pferde Theil zu nehmen. Einruhiger alter Schimmel schien selbst für seine mittelmäßige Reiterkunstalle Bürgschaft gegen irgend einen Unfall zu geben. Littrow stelltesich mit den übrigen Schützen in einer Reihe aus, und wartete derDinge, die da kommen sollten, ohne irgend selbst dabei thätig ein-greifen zu wollen. Endlich kamen die Treiber näher, der aufgescheuchteEber stürzt, von den Hunden verfolgt, aus dem Dickicht, einer derJäger schießt gegen die Regel auf ihn, ehe er vorüber, das Thierdarüber doppelt wüthend bricht in die Reihe der Reiter ein, und läßtseinen Grimm an den Pferden aus. Littrow's Rosinante erschrickt,stutzt eine Weile, macht endlich kehrt und rennt unaufhaltsam nach