Band 
Dritter Band.
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I. I. v. Lkttrow'S Biographie.

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Noch habe ich an keiner Universität eine solche wahre kollegiale Freund-schaft angetroffen. Schon nach den ersten drei Tagen war ich beiallen wie zu Hause, und wir schienen sämmtlich nur die Glieder einereinzigen großen Familie zu seyn. Waren sie wirklich besser, als dieandern, hielt das rauhere Klima und die Unkunde der Landessprachesie fester an einander, oder war eS, weil sie sämmtlich durch dieSchule deö Unglücks gegangen waren, denn beinahe alle wurden vonden leidigen Franzosen aus Deutschland verdrängt — genug, eS warherrlich mit ihnen zu leben, und was auch mein künftiges Schicksalseyn mag, ich werde die mit ihnen zugebrachten Jahre immer zu denbesten meines Lebens zählen."

Littrow hatte im Laufe dieses JahreS Anträge durch N. Fußnach Moskau, durch Soltikow nach Kasan, endlich durch Schubertnach Charkow erhalten; da aber PaSquich, nachdem er kurz zuvor derUniversität erklärt hatte, daß er sich wieder ganz rüstig fühle, mit grö-ßerer Bestimmtheit als fe von seiner Absicht in den Ruhestand zu tretensprach, und da Littrow, wenn nur irgend möglich, gern im Bater-lande geblieben wäre, so lehnte er die ersten beiden Berufungen, welcheschleunige Entscheidung forderten, nach kurzer Frist ab, und behieltsich nur für den letzten Or«, als eine Zufluchtsstätte im Falle derNoth, den Weg offen. Die Aussichten nach Wien hatten sich indessengebessert, da Bürg, damals Adfunct der dortigen Anstalt, seiner Ge-hörlosigkeit wegen von den Behörden zu dieser Stelle unfähig befun-den worden war. Indeß zog sich diese Angelegenheit in die Länge,und Littrow'S Noth stieg von Tag zu TaL. Durch Künste aller Artsuchte PaSquich seinen Collegen am Arbeiten zu hindern, und als manihn darüber zur Rede stellte, sagte er, daß er dies absichtlich thue,weil sonst die Universität kein Geld für die neuen Drehdächer (diefrüher angeschafften mußten als unbrauchbar verworfen werden) be-willigen, und meinen würde, es könne auch so an der Sternwartegearbeitet werden. Bald darauf klagte er aller Orten über Littrow,daß er so selten auf der Sternwarte zu sehen sey. — Seit mehr alsvier Jahren waren keine Vorlesungen über Astronomie an der Uni-versität gehalten worden; Littrow, dem jede Thätigkeit an der Stern-warte unmöglich gemacht war, trug sich dazu an, allein PaSquichantwortete, dies könne nicht geschehen, da er mit einem ganz andernPlane in dieser Beziehung umginge, übrigens sey Littrow auch alsAstronom und nicht als Vorleser berufen worden. — Obschon PaS-quich fast täglich davon sprach, daß er nun alles übergeben wolle,daß Littrow sein Erlöser sey u. s. w., trat er plötzlich an der Uni-versität mit dem Vorschlage einer Amtsiustruction hervor, die demDircctor, als welchen er sich allein ansah, alle Gewalt über dasübrige Personal der Sternwarte in die Hände spielen und den Co-director sowohl als den Adjuncten in oller und jeder Beziehung vonihm abhängig machen sollte. Seine Anmaßung war aber eben durchdiesen Schritt, mit dem er alles zu erreichen hoffte, zu grell hervor-getreten; er wurde später von den Behörden daran erinnert, daß der