I. I. v. Littrow's Biographie.
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1823 eine dem Schiffer in gewissen Fällen sehr nützliche Methode, dieBreite ohne Kenntniß der Zeit zu bestimmen, bekannt. Im Jahr 1822unternahm Littrow die Regulirung der Thurmnhren Wiens, welche bisdahin an einer argen Unordnung gelitten hatten, durch die Einrichtungeines täglich auf der Sternwarte gegebenen MittagözeichenS in derWeise, wie man hier (I- S. 195) näher angegeben findet. —
Im Jahr 1823 raubte ihm, glücklicherweise zum letzten Male,eine Ofener Reminiscenz auf einige Zeit seine Ruhe. Kmeth hatteeine Reihe von Cometen-Beobachtungen, die PaSpuich angestellt undpublicirt, als erdichtet verdächtigt, und Littrow gab ihm, gerechteGründe, wie er hatte, an PaSguich'S Redlichkeit zu zweifeln, Recht,ohne die Sache mit der nöthigen Aufmerksamkeit zu untersuchen. Meh-rere der ausgezeichnetsten Astronomen hatten in Folge dessen eine förm-liche Ehrenrettung für PaSquich in die „Astronomischen Nachrichten"rücken lassen, wie denn in diesem besonderen Falle PaSguich auch un-schuldig war. Obschon diese Vertheidigung eigentlich gegen Kmethgerichtet, so mußte es Littrow doch in tiefster Seele kränken, hier fürden Mitschuldigen eines VerläumderS oder wenigstens voreiligen leiden-schaftlichen Angreifers zu gelten, gerade dem Menschen gegenüber Un-recht zu bekommen, der so viel an ihm verbrochen, und den er setztnach den oben erzählten Vorgängen nicht einmal in seinem wahrenLichte öffentlich darstellen konnte. Eine Neigung zur Hypochondrie,an der Littrow zuweilen litt, wurde durch diese Verdrießlichkeiten sogesteigert, daß Littrow, weniger körperlich als seelenkrank, eine weitüber daö rechte Maaß betrübende Ansicht von seiner Compromiffionbei sener Angelegenheit annahm, mehrere Monate hindurch auf dasempfindlichste in seiner gewöhnten Thätigkeit gestört wurde, und seinUnmuth ihn, so lieb ihm Wien sonst war, beinahe an Eingehungneuer Verhältnisse denken ließ. Endlich ermannte er sich wieder undfing die eigentliche Lage der Dinge richtiger zu beurtheilen an; senerfrühere Zustand aber hatte insofern bleibenden Einfluß auf ihn, daßer von nun an alle wissenschaftliche Jonrnalliteratur möglichst vermied,seder Polemik, wo er nur konnte, selbst wenn es galt, sein geistigesEigenthum gegen Plagiate zu sichern oder dergleichen, auswich, undsich überhaupt in dieser Beziehung vielleicht mehr, als er sollte, zu-rückzog.
Littrow lebte von nun an, obschon seine Verhältnisse nichts we-niger als glänzend waren, still und zufrieden der Wissenschaft unddem häuslichen Glücke. Nachdem die Wiener Anstalt auf die obenangegebene Weise wieder in die Reihe der thätigen Sternwarten ge-treten war, widmete er einen großen Theil seiner Zeit dem Unter-richte und seine noch übrigen freien Stunden literarischen Arbeiten,deren Anfänge meistens schon von früheren Zeiten her ihm vorlagen.So erschienen von seiner Feder in rascher Folge (1823 —1830)mehrere gediegene Werke: seine „analytische Geometrie," die nachherins Lateinische übersetzt wurde; seine „populäre Astronomie," die späterauch in italienischer Uebertragung herauskam; seine „Elemente der