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Dritter Band.
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I. I. v. Littrow'S Biographie.

jeder Art, und wohin sie sich immer richten mochten. Auch im Alterweitere Ausbildung suchend, blieb er nie in seinen Kenntnissen stehen,und nahm an Vielseitigkeit stets zu. „Ehret daS Alte, ohne das Neuezu verkennen, prüfet Alles und behaltet das Beste," war eine seiner-Hauptmarimen. Freisinnig, wie es seine hohe Bildung mit sich brachte,haßte er jede Willkür, war aber dabei stets ein durch seine Loyalitätausgezeichneter Bürger; ein abgesagter Feind von heuchelnder Fröm-melei hatte er aus seiner Wissenschaft eine innige, wahre Gottesfurchtgeschöpft, die ihn weder bei Freuden noch im Drangsale je verließ.Pedanterie jeder Art war ihm ein Gräuel, und wie er sie selbst nieübte, so bekämpfte er sie auch bei Anderen. Er hatte im Leben oftscheinbarem oder wirklichem Undanke begegnet und bewegte sich deß-halb am liebsten in einem nur sehr engen Kreise von Bekannten. Un-geduldig und oft zu schnell entschlossen, achtete er das Verhältniß zuAnderen weniger, als praktische Lebensklugheit fordert, und griff gernzu den äußersten Mitteln, wenn eS galt, einer vielleicht nur kurzenund in ihren Folgen wohlthätigen Beengung seiner Freiheit ein Endezu machen. Bücher, „seine treuesten Freunde," waren ihm Mitar-beiter und zugleich Erholung; insbesondere trennte er sich von Horazund Gibbon nie. Sein Wahlspruch war das Schiboleth der Stoiker:

«nchx«", für daö er auch oft O'vid's Worte: „psrlsr etodäurs" nahm.

In seiner ganzen Eigenthümlichkeit trat Littrow als Lehrer her-vor. Seine Vorlesungen zogen alljährlich mehrere oft der Schulelängst entwachsene Männer des In- und AuSlandeS an die WienerUniversität. Schwerlich aber konnte man auch den abstrakten Gegen-stand irgendwo sonst so gründlich und einnehmend zugleich vorgetragenhören. Er verlangte von seinen Zuhörern, daß sie den zu besprechen-den Abschnitt in seinem Handbuche schon vorher studirten und abwech-selnd selbst erläuterten. Nur von ihnen nicht gelöste Schwierigkeitenbehielt er zu heben sich vor, und durchstacht dann die im gemeinschaft-lichen Gespräche entwickelte DiScnssion mit Bemerkungen über den Geistund daS Geschichtliche der Methoden. Diese Bemerkungen warf ermit meisterhafter Leichtigkeit hin und verzierte dieselben gelegentlichmit spielenden Witzen in der blühendsten Sprache, so daß man desernsten Zweckes seines Vortrageö kaum bewußt wurde, während erselbst ihn keinen Augenblick außer Acht ließ.

In der Geschichte der Wissenschaft wird er als einer der aus-gezeichnetsten Astronomen und Schriftsteller seiner Zeit fortleben. Dieklare, treffliche Behandlung der schwierigsten Stoffe, der schöne, ächtdeutsche Styl seiner Feder erinnern vielfältig an die großen MusterEuler und Lessing, denen er in diesen beiden Beziehungen nachstrebte.Die Hanpttendenz seines schriftstellerischen Wirkens war das Brauch-barmachen abstracter Lehren für das wissenschaftliche oder das gemeineLeben.

Littrow'S äußere Erscheinung nahm durch zuvorkommendes, über-aus leutseliges und bescheidenes Betragen schon im ersten Augenblicke