Buch 
1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
Entstehung
Seite
78
JPEG-Download
 

78

tcv untern Hälfte des Ofens, bey starkem Schüren erhebt er sich so, daß er den ganzenobern Raum des' Ofens einnimmt, weil er durch die Gegenwirkung des wider dasGewölbe stoßenden, und von da zuruckprelleuden Flammenstronis sich nicht weiter entfernenkann. Es.versteht sich, daß die Ansgänge in diesem Falle überall gleich gr-oß se„n müssen,auch sonst kein Umstand vorhanden ist, der die Flamme anderswohin leitet. UebrigenShabe ich in Ansehung des geschwindern und leichtern SchmelzenS keinen entschiedenenUnterschied bemerken können; die Winkel des Ofens mochten scharf oder rund beygezogenworden.seyn. Es hat aber das Abrunden der Ecken einen andern sehr guten Nutzen,weswegen es allgemein eingeführt seyn sollte: es trägt nämlich sehr viel zur Dauerhafttigkeit der Oefen bey; denn gewöhnlich entstehen in den scharfen Ecken starke Risse,weiche sich bis in die Kuppel ausbreiten und verdrüßliche Folgen nach sich ziehen, diesesfindet aber nicht Statt, wenn die Ecken rund bevgezogen ,werden; auch läßt sich aufeiner solchen Rundung das Gewölbe der Kuppel viel leichter ansetzen. UebrigenS ist eöganz richtig, daß das Glas in den Eckhäfcn nicht so leicht, als in den mittlern Häfenschmelzt; allein das hat seinen Grund nicht in der scharfwinklichen Gestalt deS OftnS,sondern darin, daß gewöhnlich die stärkste Hitze mitten in dem Ofen ist, wie wir obengezeigt haben. Da aber aus dem Vorhergehenden ebenfalls erhellet, daß man die Hitzein dem Ofen nach Gefallen leiten kann, wie man will, so ist diesem Nachtheil leichtabzuhelfen.

§. 43 -

Das Verbrennen wird nur durch den in der Luft enthaltenen Sauerstoffgas, woriner den kleinsten Theil ausmacht, unterhalten; der Ueberfluß vermengt sich in dem Ofenmit den übrigen Dünsten, welche aus dem Brennmaterial und den Glasmaterien entstehen.Dieses Gemenge kann zur Unterhaltung des Verbrennens nicht mehr dienen; man mußes daher bey dem Ausgang aus dem Ofen zu entfernen suchen, und die Hütte so einrichten,daß es nicht mehr in die Herde zurückkehren kann. Man hat mehrere Einrichtungen,welche dieses bewirken.

Wenn die Luft, welche in die Herde strömt, von außen her, durch unter der Hütteangebrachte unterirdische gewölbte Kanäle geleitet wird; so kommt sie ohne Vermengungmit den angezeigten Dünsten hinein. Und diese Einrichtung ist die beste von allen. Manhat sie bey allen Oefen, die mit Steinkohlen geheiht werden, so wie auch bey einigen, diemit Holz betrieben werden, in Ausübung gebracht. Dieses ist das sicherste Mittelmehrere Glasöfen in einerley Hütte, in einer Reihe anzulegen, ohne daß einer demandern schadet, und dieses verschafft bey der Anlage große Ersparung. 1

Die beste Einrichtung nach dieser ist diejenige, wo die Thüren der Hütte gerade denSchürlöchern des Ofens gegenüber angelegt sind. Hier findet ein guter Luftzug Statt,und die Wirkungen des Verbrennens können hier eben so wie bey -jener Einrichtungausfallen, wenn nur ein Ofen in der Hütte sich befindet, 2 w^nri der Aschenfall sosingerichtet ist, daß der Luftzug die schicklichste Richtung bey seinem Eintritt in den Hetderhält; wenn endlich die aus dem Ofen tretenden Dünste sogleich durch daöDach der Hüttehinausgeführt werden.

Aber die fehlerhafteste von allen, und dennoch die gewöhnlichste Einrichtung ist die,wo die Thüren in den Winkeln oder an der langen Seite des Gebäudes angelegt sind, sodaß sie auf die Seite des Ofens, wo dieArbeikslöchkr sind, stoßen. Anstatt daß der Wind