Buch 
1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
Entstehung
Seite
85
JPEG-Download
 

85

Wänden und der Krümme des Gewölbes folgt, ohne daß dabey eine bemerkbare ReflexionScalt findet. Also kann die Reflexion der Flamme nicht als die Hanprurfache der Hitzeeines Ofens angesehen werden. Aber es könnte fleh ganz anders mit den Hihstrahlenverhalten, welche von verschiedenen Punkten der Flamme ausgehen, und gegen dieinnere Fläche des Ofens anstoßen. Diese hatte man vorzüglich bey der oben angeführtenErfahrung im Auge. Es ist daher nöthig zu untersuchen, in wie weit diese durch ihreReflexion auf die Temperatur der Oefen Einfluß haben können.

§. ;o.

Die strahlende Hitze (sagt Scheele in seiner Abhandlung über die Luft und dasFeuer) 1 pflanzt sich von jedem brennenden Punkt nach geraden Linien fort; sie reflekttrtsich so wie das Licht von der Fläche eines Metallspiegels; aber diese Wirkung ist destouiiiuerkbarer, je heißer der Spiegel ist. Der nämliche Schriftsteller setzt hinzu, daß einSpiegel von Glas zwar das Licht eines auf dem Herde eines Stubeuofens angezündetenFeuers, nicht aber die Hitze reflektire; daß er die letztere verschlucke und davon heiß werde,ohne sie zu reflektiren.

Wenn wir nun die innere Fläche eines Glasofens betrachten, so sehen wir sie sostark erhitzt, daß Giastropfeu davon herunter fließen,— eine Temperatur, die weit stärkerist als jene, welche Scheele bey den vorstehenden Erfahrungen angewendet hat, undbey welcher die reflektirten Hitzstrahlen demohngeachtec keine Wirkung mehr thaten. Diestrahlende Hitze reflektire sich also nicht in unsern Glasösen nach den Gesetzen,' welche dasLicht bey der Reflexion von der Oberfläche der Körper beobachtet, folglich ist das von derReflexion der Hihstrahlen hergenommene Princip, dessen man sich zu Bestimmung derKrümme des Gewölbes eines Ofens bediente, nicht anwendbar.

i Man sehe Scheelens chemische Abhandlung von Luft und Feuer, deutsche Uebersehuug,Leipzig 1762 . tz. 55. bis 5Ü.

§ 5»-

Ein jeder Theil der Flamme, die den innern Raum eines Ofens erfüllt, hat zweydeutlich zu bemerkende Bewegungen, welche durch Gesetze, die jeder besonders eigensind, geleitet werden, und wovon die Einführung des Wärmestoffs zwischen die kleinstenTheile der der Flamme ausgesetzten Körper abhängt. Die erste ist eine fortpflanzendeBewegung, vermöge welcher die Flamme durch ihren Stoß auf die Oberfläche der Körpereben so wie andere elastische Flüssigkeiten wirkt, und sich bestrebet, den Wärmestoff mitmehr oder weniger Wirksamkeit und Menge hineinzubringen, je nach der Richtung derBewegung in Absicht auf die gestoßene Fläche, der Geschwindigkeit des SkrohmS undder Menge von freyem Wärmestoff, der sich beständig durch das Verbrennen losmacht.Diese Wirkung hat ein starkes Vermögen, die Kraft der Zusammenhäufung der Körperaufzuheben und sie in einen flüssigen Zustand zu versetzen.

Da es bey Ausübung der Glasmacherkunst sehr wesentlich ist, daß die Glasmaterienin allen Häfen eine gleiche Temperatur erleiden, damit das daraus entstehende Glas nicht