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Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Oesterreich in den Jahren 1840 und 1845 / bearbeitet von Dr. A. v. Gonzenbach
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ä. Wollenindustrie.

Am ungünstigsten scheint das Freihandelssystcm der Schweiz auf die Wollenmanufaktur einge-wirkt zu haben, denn diese hat die Schweiz allerdings verloren, während sie in andern Staatenunter dem Schutz von Prohibitionen und Zöllen aufblühte.

Oesterreich führt gegenwärtig alljährlich Wollenwaaren im Betrag von sechs Millionen Gul-den aus, und die Schweiz konsumirt jährlich wohl mindestens für zehn Millionen Gulden solcherTuchwaaren. Es wäre jedoch irrig das Zurückgehen der Wollenindustrie in der Schweiz einzigdem Freihandelssystem zur Last zu legen, denn, wie schon bemerkt, entwickelten sich bei demselbenSystem und zu derselben Zeit andere Industrien, wie die Baumwoll- und Seidenindustrie und na-mentlich die Uhrenmacherei zur schönsten Blüthe, und zwar die beiden erstem großenteils aufKosten der Wollenindustrie, welcher sie Hände und Kapitalien entzogen.

Es wäre höchst lehrreich, die Geschichte der Wollenindustrie in der Schweiz, welche lange vorder Baumwoll- und Seidenindustrie bestanden hat und vormals auch bei dem System des freienHandels gedieh, zu dem sich die Schweiz jederzeit bekannte, wie dieß aus den ältern Bünden und denältesten Verträgen ') mit auswärtigen Staaten erhellt, näher zu verfolgen und die Gründe ihresAufblühens wie ihres Verfalls näher zu beleuchten.

Hier nur einige Angaben über die Wollenindustrie in Zürich, die ich einer Geschichte der Han-delschaft der Stadt und Landschaft Zürich von Hans Heinrich Schinz enthebe ^).

Wollenweberei bestand in Zürich schon im zwölften Jahrhundert. Allein die Wirren, die nachdem Tode Kaiser Friedrichs H. eintraten, zerstörten daselbst bald wieder alle Industrie.

Nachdem Kaiser Rudolph von Habsburg (1273) die Sicherheit im Reich wieder hergestellthatte, blühten Handel und Gewerbe jedoch wieder auf. Unter diesen letztem war in Zürich dieWollenweberei die beträchtlichste. Schinz drückt sich darüber folgendermaßen.aus:

Die Wollenmanufakturen waren, wie allgemeiner im Gebrauch also auch beträchtlicher indünnen und dicken Zeugen, Berauer, Hosen- und Grautüchern."

Anno 1280 verbrannte in Zürich eine ganze Gasse, wo nurWollenweber" wohnten. Zujener Zeit wurden Wollenwaaren von Zürich an die Frankfurtermesse gebracht, nach Wien, Ungarnund Polen ausgeführt.

Im vierzehnten Jahrhundert, zur Zeit der Brunischen Verfassung, bildeten dieWullenweber"eine eigene Zunft.

Die Annahme, als sei die Wollenmanufaktur durch Einfuhrzölle besonders geschützt gewesen, wäreirrig; die hauptsächlichsten Zölle waren damals Transitzölle dasGeleit;" die meisten Städteund so auch Zürich bezogen an ihren Thoren als Finanzabgabe Ein- und Ausgangszölle (Umgeld)

0 Siehe Stanzerverkommniß von 148t. Siehe Bündniß zwischen den Eidgenossen und König Karl Vll. vonFrankreich, vorn 27. Februar 145L. Siehe Richtung zwischen Erzherzog Sigumnd von Oesterreich und den achtalten Ortender Eidgenossenschaft, durch Vermittlung Königs Ludwig Xi. in Frankreich, geschloffen im Jahr 1474.

2) Siehe Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft von 1784.