136 Vorbereitung, Beschickung und Eröffnung der Ausstellung.
seine tropische Pflanzenwelt geleistet hatte, vorzugsweise geeignet. SeineKonstruktion ahmt gewissermaßen die Natur nach: ihre Wände undBedachungen sind nicht sichtbar, und je durchsichtiger und unbegrenzterdie abliegenden Räume erscheinen, desto mehr entsprechen sie dem Zweck.
Die innern Räume durften durch architektonische Ornamente nichtverschränkt und mußten deshalb die sonst üblichen Schmuckwerke vcr-vcrmicden werden. Viel Licht ist bei Ausstellungen nöthig, aber Son-nenschein schadet: eine Verschleierung mußte deshalb den Glashimmelüberziehen, damit ein angenehmes, schwellendes Licht durch das Dachfalle; wenn das Glas stärker, matt oder farbig gewesen wäre, so hättedieser Zweck vielleicht schon dadurch erreicht werden können, und hättenin diesem Falle die schlanken Säulen selbst die Verschleierung getragen,welche den Drapperien und Teppichwänden zwischen den Säulenstcllun-gcn im Innern des Gebäudes entsprach; °) den fehlenden Schutz gegendie Sonne mußten nun die Cannevas-Ucbcrzüge geben. Die zahlreichen,zur Bekleidung mit Trophäen und Ausschmückungen besonders geeig-neten Säulen und Bindebalken in den Hauptgängen, boten zu einermannigfachen Dckorationsart den weitesten Spielraum. Diese ursprüng-liche Einfachheit des Gebäudes und der Vorschub, welchen es einernatürlichen, dem Zweck entsprechenden innern Ausschmückung leistete,möchte auch wesentlich sein architektonisches Verdienst erhöhen.
Das himmelhohe, die hohen Bäume überziehende Transsept warvielleicht nicht unbedingt durch die innere Bauart und Eintheilung desGebäudes geboten: indessen war es gewiß ein glücklicher Gedanke, demeinzigen, mehr geschlossenen Raume in einen: sonst für das Auge kaumbegrenzten Gebäude diese erhabene Höhe zu geben, und bei der Feierder Eröffnung erschien er nur so der Aufnahme der Scene entsprechend.
Wenn das Gedränge der Menge das Gemüth fast verwirrte, dannruhte das Auge mit Wohlgefallen und Beruhigung auf jenen alten,die hohen Räume majestätisch füllenden Bäumen und den festen, regel-mäßigen Bogen ihrer Neberspannung. Das ganze Bild athmete dasantike, aber ewig frische Leben pompejanischer Fresken und einen wohl-thuenden Einklang mit der Natur; der erste Eindruck war der derLichtfülle und des Gigantischen: bei näherer Betrachtung zogen die re-gelmäßigen Formen und die organische Gliederung zu den einzelnen,den Zwecken entsprechenden Abtheilungen des Innern das Auge an.
Das Aeußere des Baues bot den, bei bisherigen Konstruktionenähnlicher Gebäude noch nicht in gleichem Grade erreichten Vorzug dar,daß die Hauptsormen desselben mit einem Blicke aufgenommen und sodas ästhetische Gefühl unmittelbar befriedigt werden konnte.
Wir glauben deshalb aussprechen zu dürfen, daß der Krystallpalast— denn dies war der gewöhnliche Name — an Großartigkeit undEleganz der An- und Durchsicht, an Uebereinstimmung der Konstruktionund Ausschmückung mit dem Material und Zweck, an Ebcnmaaß und