266 II. Klasse. Chemikalien.
säure im konzentrirten Zustande, und stellt aus der Salzsäure unterAnwendung von Braunstein, welcher 90 Prozent reines Superoxydenthält, und der in Irland in der Grafschaft Cork in den GlamnoreBergwerken gefunden wird, Chlor zur Bereitung von Chlorkalk dar.
Es möchte hier der Platz sein, des Longmaid'sehen Prozesseszur Darstellung von schwefelsaurem Natron aus Kochsalz undSchwefelkiesen, unter Entwicklung von Chlor, zu erwähnen. Longmaidhat eine Reihe von Präparaten ausgestellt, welche unter Anwendungseines neuen Verfahrens gewonnen sind, und er bringt seit neun Mo-naten diese Produkte auf den hiesigen Markt; die Ansicht, daß er aufdie Dauer hier nicht konknrriren könne, scheint aber nicht unbegründet.Dessenungeachtet möchte das Verfahren doch die größte Aufmerksamkeitverdienen, da es zu einer Benutzung in Gegenden, wo die chemischeFabrikation im Allgemeinen noch nicht weit gediehen ist, und wo Schwe-felsäure, Braunstein u. s. w. nicht so billig und leicht zu haben sind,als hier, sich außerordentlich Vortheilhaft erweisen kann.
Longmaid giebt an, daß, wenn man Schwefelkiese, am bestenkupfer-, blei- und silberhaltige, in Apparaten, die eine genaue Re-gelung des Luftzutrittes zu verschiedenen Zeiten der Operation gestatten,mit Kochsalz gemengt, erhitzt, der Prozeß so geleitet werden könne, daßsich zuerst nur schwefelsaures Eisenoxyd bilde, daß bei erhöhter Tempe-ratur die freiwerdcnde Schwefelsäure aus dem Kochsalz das Chlor ent-binde, und sich des, durch Einfluß des Eisenoxydes orydirten Natriumsbemächtige. Das Chlor wird zur Chlorkalk-Bereitung verwendet. Dergeglühte Rückstand wird durch Auslaugen vom Glaubersalz befreit, undder Rest wie geröstete Kiese auf Kupfer, Blei und Silber verarbeitet.
Es ist allerdings zu bezweifeln, daß man mit Chlor, welches einegroße Menge anderen Gases beigemengt enthält, einen Chlorkalk vongleicher Reinheit, wie ihn heutzutage der Handel zu fordern gewohnt ist,darstellen könne; es entsteht ferner die Frage, wie groß die Kostender Eintrocknung der Glaubersalzlösung sich stellen, wie viel Eisen-chlorid gebildet wird, und wie vollkommen die Umwandlung des Koch-salzes erfolgt ist? Aber die Betreibung einer solchen Fabrik in derGegend von London , wenn auch ohne Rentabilität, scheint doch zu be-weisen, daß die Verfolgung dieses Prinzipes in Gegenden, wo großeSchwierigkeiten der Erbauung und Betreibung von Schwefelsäurekam-mern, oder dem Transport entgegenstehen, und andere ähnliche Hinder-nisse als Begünstigungen für jenen Betrieb betrachtet werden müssen,lohnende Erfolge zu erreichen stehen.
For und Barrington, 9 Clarence Street in Manchester , sindAussteller einer Reihe von Salzen, welche, in großem Maßstabe fa-brizirt, hier Erwähnung finden, da sie ebenfalls die Sodasabrikationbetreiben, und durch Proben der Produkte aus den verschiedenen Zeitendie Operation illustrirt haben. Außerdem haben sie Bleichkalk, sehr