Band 
Erster Theil.
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366
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366 IV. Klaffe. Vegetabilische und thierische Stoffe.

Verhältniß von 1 Schwefelsäure : 500 Wasser) mit Schwefelsäure angesäuertesWasser gebracht. Die in der Faser mechanisch zurückgehaltene Soda nentralisirt dieSchwefelsäure und bildet neutrales schwefelsaures Natron. Nun ist der Flachs'wenn er als langer Flachs versponnen werden soll. nur zu trocknen, zu schwingtund zu hecheln.

Der dritte endlich und besonders charakteristische Claußensche Prozeß, die Berei-tung des sogenannten „British Cotton", besteht in einer Operation, welche den Flachszu einer auf gewöhnlicher Baumwoll- oder Woll-Spinnmaschine verspinnbareu Sub-stanz machen soll. Der Flachs, nachdem er entweder obige Prozesse durchgemachtoder auch in andere Weise gebrochen und geschwungen ist. wird durch eine passendeMaschine in die gehörige Länge geschnitten und mit einer Lösung von doppelt koh-lensaurem Natron gesättigt, bis er gut von der Flüssigkeit durchdrungen ist. Da»»wird er in mit 200 Theilen Waffer verdünnte Schwefelsäure gebracht. Die Schwe-felsäure setzt sogleich die in den kapillaren Flachsfaserröhrchen enthaltene Kohlensäurein Freiheit, und zwar ist die Gewalt des plötzlich entweichenden Gases so groß, daßes die Fiber spaltet und zerreißt und eine baumwollartige Substanz bereitet. Dannwird die Fiber in ein Bad von unterchlorigsanrer Magnesia gebracht, was sie augen-blicklich in ein schönes Weiß bleicht; getrocknet und gekämmt ist sie sodann fertigfür die Baumwoll- oder Woll-Spinnmaschine.

Dieses vielbesprochene, angegriffene und vertheidigte System, welches, wie Vieleund unter diesen sein Erfinder glaubten, eine vollständige Revolution in der ganzenFlachsindustrie hervorbringen sollte, scheint bis jetzt in England, wofür es doch be-sonders Vortheilhaft sein sollte, keine großen praktischen Erfolge zur Welt gebrachtzu haben, wenngleich sich zu Ende 1851 in London eine Gesellschaft konstituirt hatunter dem Namen „Claußen's Patent-Flachs-Kompanie" mit einem Kapitale von250,000 Lstr.

Die bis jetzt gemachten Versuche müssen als ungünstig angesehen werden, indemdieselben eine werthvollere Faser in eine weniger Werth habende verwandeln, undschien das Verfahren daher höchstens für sehr geringe Flachs- und Hanssorten n»dWerg eine Vortheilhafte Anwendung finden zu können.

Chevalier Claußen's leitender Gedanke in seinen Bestrebungen schien besondersder zu sein, die in den letzten Jahren anf eine so fühlbare Weise Englands BauM-wollspinner drückende Mißerndte der Amerikanischen Stande für ähnliche Krisen inder Zukunft unfühlbar, und eine der wichtigsten Lebensquellen Englands vom Aus-lande unabhängig zu machen. Ob aber diese Absicht mit den vorgeschlagenen Mittelnerreicht werde, erscheint sehr zweifelhaft.

Der dritte und, wie Chevalier Clanßen ihn selbst nennt, wichtigste Theil seinesVerfahrens, die Bereitung des British Cotton von der Flachsfaser, sollte den BauM-wollspinner in Zeiten der Krisis in Stand setzen, auf seinen Maschinen die Flachs-fiber spinnen zu könne». Großbritannien und Irland produzircn circa 1851 aus-nahmsweise vielleicht ^ des Flachses, den sie verspinnen. Daß sie, selbst im Falleeiner Banmwoll-Krisis, ihr auf jeden Fall als langer Flachs wertvolleres Materialteilweise entwerthen, auf der Baumwoll- oder Wollspinnmaschine spinnen und dannein entsprechendes Quantum ausländischen Flachses mehr kaufen werden, erscheintunwahrscheinlich. Jedenfalls sind ein Paar Tausend Tonnen Material, die aus dieffWeise der Baumwollspinnmaschine zugeführt werden könnten, für eine Spinnerei diejetzt täglich mehr als 1000 Tonnen Rohmaterial in dem Vereinigten Königreich allein verbraucht, von keinem großen Belange. Das bemerkbare Resultat der ingrößerem Umfange ins Leben tretenden Einführung dieses Systems, natürlich mstverhältnismäßig ausgedehntem Flachsbau, würde daher nur eine noch nähere Wechsel-wirkung der Preise von Flachs, Baumwolle und Wolle herbeiführen, als sie j^tschon eristirt.