Band 
Erster Theil.
Seite
372
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372 Klasse Vegetabilische und thierische Stoffe.

Der Holländische Flachs, obgleich in der Farbe vorn Belgischen und Franzöffschen ganz verschieden nnd immer sehr dunkel, wird doch von den Spinnern Englandund hauptsächlich Irlands sehr geliebt, weil er sich sehr sein hecheln nnd zu d?"höchsten Nummern verspinnen läßt, sich auch zur Mischung mit Irischem Flachs gueignet nnd ein schönes Garn liefert. ^

Als Fehler, die oft dem Holländischen Flachs eigen sind, betrachtet man sch^ubtere Enden und den sogenannten Mehltha», obschou letzterer Uebelstand nicht in de»>Maßstabe, wie in Russischen Sorten vorkommt, nnd sich auch die Fasern, ohne dü'selben zu schwächen, meist dennoch durch die Hechel fein spalte» lassen.

Die Bleicher lieben den Holländischen Flachs; daraus gesponnenes Garn svverfertigtes Leinen bleicht sich leicht und erhält das höchste Weiß.

Daß der Verbrauch von Holländischem Flachs in den Spinnereien Großbrita"'niens nnd Irlands kein geringer ist, geht aus der jährlichen Jmportation hervor, düin vorigem Jahre gegen 120,000 Centncr betrug.

IV. Das zollvereinte und nördliche Deutschland gehört ebenfalls zu den starken Fkachsprodnzenten.

Die Provinz Schlesien enthält zwei bedeutende Flachslandschaften. Aus d^wichtigern, an der Polnischen Seite um Wartenberg nnd Krenzbnrg belegenen ^gend hatte Freiherr von Lüttwitz, zu Simmenan, einer der bedeutendsten Fla^'Wirthe, vorzüglichen, mach verbessertem Verfahren für Maschinenspinnerei erzeugtFlachs eingesandt.

Aus der Niederschlesischen Flachslandschaft hatte die Königl. Flachsbau'schule zu Rüstern (A. Rüstn) eine Probe von, nach Belgischer Art in Schlei ^gezogenem und zubereitetem Flachse ausgestellt, nnd zeigte derselbe, daß dieBemühuNgen, den schlesischen Flachs dnrch bessere Verfahren im Anbau nnd der Zubereitungzu veredeln, nicht ohne Erfolg gewesen sind.

Was den ausgestellten Westfälischen Flachs anbelangt, so liegen unter andere"Proben von dem Flachsbanlehrer Ollerdissen zu Uerentrupp bei Bielefeld und vr"Albert Brünger zu Jöllcnbeck vor, welche Anerkennung verdienen. Derselbe >>von schöner Qualität und durfte sich nicht schämen, den besseren ausländischeFlachsen zur Seite gestellt zu werden. Zu wünschen wäre, daß Westfalen, weichtmehr als jede der anderen slachsbauenden Provinzen Preußens dazu geeignet ist,allein in einzelnen Proben, sondern auch in größeren Quantitäten mit gleichnein Flachse auf den Markt kommen möchte — was Einzelnen möglich ist,auch Mehreren gelingen, wenn sonst die nöthigen Mittel nnd Sorgfalt angewe»d^werden. Der Rheinische Flachs war durch sechs schöne Proben von G. Mevissb"zu Dülken , die 1000 Kilog. zu 320, 340, 360, 380, 400 nnd 420 Rthlr., sowie duMeine Sendung der Spinnerei Königs nnd Bücklers zu Dülken , vertreten.

Die Provinz Preußen , unser Hauptstachslaud, war nicht durch einen Gegensinnsder Flachs- oder Leinen-Industrie angehörig, aufgetreten, nnd es ist schmerzlich, hierausso geringes Interesse zu ersehen, um so mehr, wenn man den ansehnlichen UmfnNnnd den bedeutenden Platz, den Ostpreußens Flachshandel, ungeachtet der noch ^niedrigen Stuft, auf der sich seine Flachskultnr noch befindet, im Welthandel ei"'nimmt, in Betracht zieht.

Joseph Watteyne zu Lichtenberg im Königreich Sachsen hatte vier Bün^guten geschwungenen Flachs;

W. Gaetschmanu zu Drausendorf bei Zittan fünf schöne Proben geschN'""'gencn Flachs, den Centner zu 15, 17, 1?z, 19^ und 24); Rthlr.;

Karl Sommer zu Sornzig bei Mügeln sechs Pack guten geschw. Flachs',

E. E. Hornig zu Braunschweig sechs lobenswerthe ProbenBraunschweigffch^Flachs und Heede , und

D. Schulze zu Bodenteich im Lüneburgischen sechs Flachsproben ausgestellt-