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IV. Klasse. Vegetabilische und thierische Stoffe.
pflegt mau Fichtenrinde und Kuoppern, oder auch Knappern ausschließlich für diese»Zweck anzuwenden. Im westlichen und südlichen Deutschland finden sich seit alterZeit Lohhecken und Eichenschälwaldnngen. in welchen die Aufschläge in 9 — 15jäh-rigcm Alter zur Gewinnung der besseren dünnen Rinden, sogenannten Spiegelborken,geschlagen werden; auch in Schlesien und anderen Ländern des östlichen und nörd-lichen Deutschlands hat man im wohlverstandenen Interesse der Forstverwaltung »ndder Gerberei dergleichen in neuerer Zeit anzulegen begonnen.
Von alter Eichenborke rechnet man 6 — 7 Centner, von Spiegelborke 4 — 5 Ccnt-ner, um einen Centner Sohllederhaut zu gerben. Dabei gerbt aber die letztere vielvortheilhaster, indem bei der alten Eichenbvrke das Leder nur um 12—14 Prozent,bei der Spiegelborke aber bis zu 40 Prozent am Gewicht zunimmt.
Die Eichenlöhe wird gewöhnlich von unsern Gerbern klafterweise im Walde ausdem Stamme mit der Maßgabe gekauft, daß sie selbst das Abnehmen und Wegbrin-gen der Borke besorgen. Mit dieser Maßgabe Pflegt für die Borke alter Bäumeg —15 Sgr. für den Centner im Walde, je nach der Entlegenheit der Wälder, undin Berlin 1 Rthlr. bis 1 Rthlr. 5 Sgr. gezahlt zu werden. Etwas höher steht derPreis der Spiegelrinde, welche gegenwärtig in Köln mit 1 -Rthlr. 5 Sgr., und besteMoselrinde bis zu 2 Rthlr. bezahlt wird.
Der Gerber zerkleinert die Rinde mit dem Beil, und läßt sie dann, wenn er,wie bei uns gewöhnlich, keine eigene Lohmühle hat, beim Müller vermahlen, indemin Deutschland niit Ausnahme einzelner größeren Gerbereien, welche eigne — auchzum Pumpen des Wassers, auf dessen Reinheit viel ankommt, und der Brühen, z»MZerhacken der Eichenrinden, zur Bewegung der Oberlederhänte in den Brühen undzu anderen Zwecken wünschenswerthc — Wasserkraft oder Damfmaschinen haben, dieLohmüllerei Nebcngewerbe der Wind- und Wassermüller zu sein pflegt. Man rechnetdie Kosten des Zerhackens für den Centner aus 1 Sgr., des Mahlens zu 3 Sg»Prenß. Nur für diejenigen Hauttheile, welche dem Gerbstoff der Eichenlohe allzU-schwer zugänglich sind, namentlich die Backenstücke (Stiche), die untern Theile derSchenkel (Quatschen) und Beutel pflegt man auch in Deutschland Dividivi und an-dere stärkere Gerbmittel anzuwenden.
Zu Großbritannien ist zwar auch die Eichenrinde der durchaus vorherrschendeGerbstoff; man wendet dort mehr Rinden von alten Eichen an, welche indessen wegendes dortigen Bodens und Klima's gerbstoffhaltiger und löslicher, wie bei uns sind-Es tritt jedoch zunächst ein Unterschied darin hervor, daß die Gerberei dort mehr >ngrößeren, geschlossenen und mit eignen Wasser-, Dampf- oder Roßwerken versehenen,und deshalb ihre Lohe selbst vermahlenden Gerbereien konzentrirt ist. Das Mahls»selbst wird nachläßiger betrieben, indem man die Rinden nicht, wie bei uns und inFrankreich , zwischen groben Sandmühlsteinen klein zu mahlen, sondern zwischen kasteimühlenartigen Reibern zu zerreiben Pflegt. Sodann laugt in England der Gerbetdurchgängig seine Lohe mittelst fünfmaligen Ausgießens von kaltem Wasser zu einetstarken frischen Lohbrühe aus, in welcher er die Sohlleder-Häute durch vier- bisfünfmaliges Einlegen in frische Sätze binnen 6 Monaten gar zu gerben verniag-währcnd bei unserem Verfahren dazu 24 Monate und mehr nöthig sind. Es ist dortnicht unbekannt, daß dies kalte Aufgießen den Gerbstoff nicht vollständig ertrahiVund daß man aus der Lohe mittelst warmer Ausgüsse und Druckpressen ^) den Gerb-stoff vollständiger zu losen vermag. Die dortigen Erfahrungen sind indessen der An-wendung solcher allerdings wirkjameren Lösungsmittel nicht günstig, und im Allge-meinen kann nicht bestricken werden, daß diese Englische Ertraktgerberei, wobei n»rnoch eine schwache Schicht Lohe zwischen die Häute gelegt wird, besser auf die Ver-dichtung, das Gewicht und die Elastizität der Häute wirkt.
Die ausgelaugte Lohe wird in der -Regel in Kucheuform gepreßt, und gctrockneals Brennstoff verwendet; in einigen Gerbereien liefert sie, mit Kohlenstaub untermischt