Band 
Erster Theil.
Seite
424
JPEG-Download
 

424 IV. Klasse. Vegetabilische und thierische Stoffe.

Beziehung der Bestandtheile die größte Aehnlichkeit; sie enthalten die Eichengerbsäuwin überwiegender Menge; die Gerbsäure kann aus beiden mit gleich großer Leichtig-keit ausgezogen, in gleichem oder nahezu gleichem Grade von Reinheit gewonnn!und mit gleicher Vollständigkeit auf die bekannte Art in Gallussäure verwandetwerden.

Was den Gehalt an Gerbsäure betrifft, so haben die getrockneten Chinesische»Galläpsel im lnsttrocknen Zustande ungefähr 8g Proz., und völlig ausgetrocknetoder 7g Proz. reine Gerbsäure, bisweilen auch etwas darüber. Bei den gute»Aleppischen Galläpfeln ist der Gehalt fast eben so groß, eher aber ein wenig gerin-ger; jedenfalls kann man die in dieser Hinsicht bestehende geringe Differenz unberück-sichtigt lassen und sage», daß auch in Beziehung auf die vom Gerbsäuregehalt abhän-gige Brauchbarkeit die Chinesischen Galläpsel den besten Aleppischen gleichgestelltwerden müssen.

Es wäre also bei der Wahl zwischen Leiden Waaren nur der Preis allein maß-gebend. Aber hierin bestehen so große Unterschiede, daß, so lange der Preis für dieAleppischen Galläpsel so hoch bleibt, als er seit einigen Jahren steht, dem Chine-sischen Gallus entschieden der Vorzug gebührt.

In einem Handelsbericht aus London vom 3l. Januar 1851 ist der Preis sätblauen Gallus, gut mittet, zu 100 — 10S, für Gallus in Sorten zu 80 —85, undjener für Chinesischen Gallus blos zu 68 — 68 Schillingen ^) per Englischen Ctr.notirt. In einem Hamburger Berichte ist der Preis für den Centner dunkler (Alep-Pischer) Galläpsel zu 70—74, und für den Chinesischen Gallus zu 52 Mark') auf-geführt. Ferner steht in neuen Preiscouranten der Zollcentncr Aleppischer Galläpselzu 55, und jener des Chinesischen Gallus zu 38 Rthlrn.

Der Preis des Chinesischen Gallus verhält sich demnach jetzt zu jenem der bes-seren Sorten Aleppischer Galläpsel wie 1 zu 1,3 bis 1,5, oder da man um gleiche»Preis von den Chinesischen Galläpfeln fast um ein Drittel bis um die Hälfte mehrbekommt, als von der besten Aleppischen Sorte, so müssen auch, gleichen Gehalt anGerbsäure und gleiche Leichtigkeit der Bearbeitung vorausgesetzt, bei gegenwärtige»Preisen die Chinesischen Galläpsel für den Chemiker und Techniker einen beinahe1z — 1^ Mal größeren Werth haben, als die Aleppischen Galläpsel.

Obwohl die Chinesischen Galläpsel erst vor zwei Jahren in den Deutschen Han-del gebracht worden sind, so haben sie doch schon hier und da die gehörige Anerken-nung gefunden und werden im Großen anstatt des Aleppischen Gallus gebraucht,denn einem Hamburger Jahresberichte vom 31. Dezember 1850 zufolge sind dort i»jenem Jahre 717 Ballen und Kisten von der neuen Waare eingeführt und verkauftworden. Im südlichen Deutschland scheinen sie weniger bekannt zu sein, als imnördlichen. ^)

Knoppern sind ebenfalls durch Insektenstiche herbeigeführte Eichen-Auswüchft-die jedoch nicht wie die Galläpsel an den Blättern und Blattstielen, sondern auf de»jungen Kelchen sich bilden.

Valonia, Orientalische Knopper von tzneren-, ^egilop», aus Smyrna, u»dValonia kamata aus Dragomestra auf Morea zeigten Gebrüder Curtis undComp n. A.

Man mißt im Allgemeinen den Knoppern die vierfache Gerbkraft gegen die alteEichenlohe bei. Der Centner Schlesische Knoppern wird in Berlin zu 4 — 6 Rthlr'Ungarische und Orientalische zu 5 — 9 Rthlr. bezahlt. Sie geben aber den Felle»nicht dieselbe Gewichts-Erhöhung, wie gute Eichenlohe; auch ist es sehr schwer, si^gegen Verfälschungen sicher zu stellen, da es außer dem Geschmack auf der Zuttge-welcher doch nur ein unsicheres Urtheil gewinnen läßt, kaum einen andern Prüsstei»-als die langdauernde Anwendung giebt.