Band 
Erster Theil.
Seite
682
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682 VIll. Klasse. Schiffe, Waffen und Ausriistungsgegenständc.

man starke Ladungen Schrot auf kurze Distanzen schießt. Sie werden in Seekriege»gebraucht.

Einzelne Gewehre, darunter sehr schön gearbeitete von Ch. Osborne in Bir-mingham und Th. Boß in London ersetzten die Zündhütchen durch eine Schlag-röhre, welche auf einer kleinen Platte seitwärts am Rohr aufliegt und mit de>»offenen Ende in das Zündloch reicht, das an der Stelle angebracht ist, die es belden alten Steinschlöffern einnahm. Der Hahn ist vorn messerartig zugeschärft undsein Schlag entzündet die in dem Röhrchen befindliche Masse. Bei den riesenhafte»Entenflintcn von C- Ansell aus Tottenham, Oberst P. Hawker und Andere»ausgestellt, die bis zu 8 Fuß Länge des Laufs bei einem Kaliber von Zoll an-fingen, ward diese Zündungsmethode, worauf auch die meisten Oesterreichischeu I»-fanteriegewehre eingerichtet find, ebenfalls angewendet, die übrigens gegen die ge-wöhnliche PerkussionSniethode mit Zündhütchen die offenbarsten Nachtheile hat u»dals veraltet betrachtet werden darf.

Von geschichtlichem Interesse war ein von Forsyth und Comp. in London ausgestelltes Gewehr, worin sich die frühere unvollkommene Anwendung der Perkus-fionsmethode darstellte, wie sie dem Aussteller im Jahr 1819 patentirt wurde.

Von I. Fairmann in London war eine schon gearbeitete sogenannte Krüppel-flinte ausgestellt, mit schief nach rechts gebogenem Kolben, um Personen, die dasrechte Auge verloren 'haben, zum Zielen mit dem linken in Stand zu setzen. 3"Deutschland konstruirt man übrigens solche Kolben besser, indem man dem Kolben-hals die nöthige Ausbiegung nach rechts giebt, den eigentlichen Kolben dann aberwieder mit dem Rohr parallel laufen läßt. Hierbei bleibt das linke Auge stets i»der Visirlinie, während es bei dem schiefen Kolben von Fairman gleich aus derRichtung ist, wenn der Kopf zu weit nach vorn oder nach hinten am Kolbe»anliegt.

Von Witlon, Dow und Comp. in London war eine sehr schön gearbeiteteBüchse ausgestellt zum Gebrauch auf den Jagden in Afrika ; sie schoß Kugeln vo»4 Loth.

Außerdem erwähnen wir noch der Leistungen von I. Lang aus London ,

W. Parsons in Swaffham, I. Manhon und Sohn und Potts aus Londo»

wegen ihrer ausgestellten Gewehre und I. R. Brazier, so wie I. Grainger a»sWolverhampton wegen vorzüglich gearbeiteter Schlösser. Diese Stadt liefert überhauptviele Gewehrtheile, während man in Birmingham vor allem die Läufe anfertigt u»dspäter die Gewehre zusammensetzt.

Kapitain Davidson hatte eine große Sammlung von Gewehren und Pistole»mit Teleskopen und Fadenkreuz versehen zur Ausstellung gebracht. Die Gläser ließe»

sich sehr leicht abnehmen, um auch den Gebrauch des unbewaffneten Auges zu ge-

statten; die Gewehre waren auf Spitzgeschoffe nach Thouveninscher Methode ei»-gerichtet.

W. Sguires hatte ein Büchsenmodell ausgestellt, dessen Visir aus eine unge-heuere Elevation eingerichtet war, um Pulver zu sparen, während die beste neuereMethode umgekehrt dahin geht, mit starker Pulverladung und möglichst geringerElevation zu schießen.

Einer Windbüchse von I. Shaw in Gloffop, wo der zum Wegtreiben derKugel erforderliche Luftdruck durch die Reaktion einer vorher ausgedehnten Feder vo»Gummi elastikum im Moment des Abdrückend hervorgebracht werden soll, erwähn^wir nur als charakteristisches Zeichen, wie es zu einer wahren Manie ausgeartet ist,diesen Stoff allen denkbaren Zwecken dienstbar machen zu wollen. Von Hodg^swaren auch Bolzenbüchsen unter Anwendung des Gummis ausgestellt, für welchegeringere Kraftentwickelung der Stoff eher brauchbar sein mag.