Band 
Erster Theil.
Seite
864
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864 Klasse. Instrumente aller Art.

Gestalt gegeben und die Töne auf beiden Blättern im Kreise herum gelegt. Stattder plumpen Klappen unserer Akkordions sind äußerst zarte Ventile im Innern ange-bracht und statt der breiten Tasten ragen kleine Stiftchen über die Oberstäche hervor,welche mit den Fingern niedergedrückt werden. Dieser zarte und doch sehr einfacheKlappen-Mechanismus fordert indessen die geschickte Hand eines Uhrmachers, daherdie Instrumente etwas hoch zu stehen kommen. Der bekannte Will). Regondi inLondon war der erste, der sich als Knabe auf dem Instrumente einübte, und es darinzur Meisterschaft gebracht hat.

8. 249.

e. Pianofort e.

Unter allen musikalischen Tasten-Instrumenten fanden sich diese in der größtenZahl. Die Anzahl der ausstellenden Firmen belief sich auf 108, die Anzahl der In-strumente auf 191 Nummern. Davon gehörten 77 Piauoforte Englischen Firmen;50 Piauoforte 21 Französischen Firmen; 23 Klaviere 16 Ausstellern des Zollvereins;15 Piauoforte 7 Belgischen Firmen; 11 Piauoforte 7 Firmen aus den Nordameri-kanischen Staaten; 5 Pianos 5 Oesterreichischen; 3 Pianos 3 Schweizern; 3 Piano-sorte waren von zwei Dänischen Firme»; 2 Piauoforte von 1 Russischen ; 1 Pianovon Hamburg ; 1 von Holland ausgestellt. Dabei darf nicht vergessen werden, daßvon Französischen bekannten Piauoforte-Machern kaum die Hälfte die Ausstellungbeschickt, und aus Deutschland fehlten beinahe ^ Theile derselben.

Wie schon Eingangs erwähnt, nirgends sprach sich die Individualität der Na-tionen, denen die Aussteller angehörten, bezeichnender aus, als gerade in diesem Mode-Instrumente, dem Piauoforte. Der alte brillante, aber unbeugsame Flügel mit sei-nen bettelten Docken, dem seelenvollen Klavichord gegenüber, brachte schon manchenKlavierspieler zum Nachdenken, ob nicht dem Flügel, unbeschadet seines Glanzes,mehr Schmiegsamkeik und Seele abgewonnen werden könnte.

Das früher, namentlich bei Tanzmusiken, sehr gewöhnliche sogenannte Hacke-brett, welches mit Hämmern geschlagen wurde, brachte wohl Manche», unter denDeutschen den Joh. Gottl. Schröter, aus Nordhausen , und den ItalienerCristofali, aus Florenz , anf den Einfall, die Hämmer anstatt unmittelbar durchdie Hände, mittelbar durch die Tasten des Klavichords anschlagen zu lassen, indemer eine Reihe Hämmerchen unter den Saiten mit ihrem Hinteren Ende beweglichan einer Scheide oder einem Kamme befestigte, und G. Silbermann zu Freiberg führte zuerst die Idee Schröters an einem kleinen tafelförmigen Instrumente aus.Zu gleicher Zeit erfand der Paduaner Bartolomeo Cristofali, beim Großher-zog von Florenz in Diensten, einen ähnlichen Mechanismus, der sinnreicher war alsder von Silbermann, einen doppelten Hebel mit beweglicher Stoßzunge, also eineArt Auslösung besaß und wirklich die Grundlage der gegenwärtig so sehr berühmtenErardschen Mechanik geworden ist. Allein die Instrumente waren in Bezug aufleichte und präzise Ansprache, namentlich bei etwas schnellerem Spiel, äußerst mangel-haft, und dies veranlaßte den berühmten Organisten und Orgelbauer Joh. Andr.Stein, in Augsburg , den Mechanismus nach einem andern Systeme zu bauen. Ersetzte den Hammer, der einen Hebel von ungleichen Armen bildete, mit seinem Kopfegegen den Spieler gewendet, mit seinem Drehpunkte auf die Taste selbst und ver-mittelte den Stoß, der auf das kürzere Ende oder den Schnabel des Hammers durcheine Reihe hakenförmiger, zurückweichender Zungen wirkte, durch eilt elastisches Mit-tel, nämlich durch das sogenannte Schnabelleder. Da sich der Hammer mit derTaste hob, glitt er nach dem Anschlage von selbst unter dem hakenförmigen zurück-