866 X. Klaffe. Instrumente aller Art.
Wood und überließ ihm sein Geschäft. Dieser, der Onkel der gegenwärtig lebendenFamilie, erhob diese Pianoforte-Fabrik in wenigen Jahrzehnten zur ersten und größ-ten der Welt, die voin Jahre 1781 bis zum Jahre 1851 allein 18,000 flügelformigePianoforte in größtem Maßstabe in die Welt gesendet hatte. Die Gesammtzahl dervon dieser Firma überhaupt verfertigten Instrumente ist gegenwärtig 103,750.
Man bemerkte sehr bald, daß, wenn nach dem Anschlage der Hammer von derelastischen Saite zurückgeworfen worden war, so lange der Finger auf "der Tasteruht, der Hammer natürlich nicht sogleich seine Bewegung verlor und in Ruhe blieb,ja gleich einem Pendel vibrirte, was den gleich darauf folgenden neuen Eingriff derStoßznnge unsicher machte. Es wurde deshalb eine neue Vorrichtung erfunden, derFänger nämlich, welcher den zurückgeschnellten Hammer so lange unbeweglich fest-hielt, bis der Finger von der Taste sich hebt. Dieser Fänger wirkt in jeder Mechanikimmer auf dem Hammerkopf. Obwohl der Hammer durch diese mechanische Vorrich-tung mittelst der Stoßzunge mit viel größerer Kraft gegen die Saiten geschnellt wurde,als durch die Steinsche unter Vermittelung des Schnabelleders, und also der Tonder Englischen Pianoforte's weit stärker war, als der der Deutschen , so war dieserstärkere Ton dennoch den Englischen Ohren bald zu dünn. Man half also an derBesaitung nach und verstärkte diese. Dadurch stieß mau aber auf eine neue Schwie-rigkeit. Der Zug der Besaitung wuchs zu solcher Größe, daß Stimmstock und Kaste»dem ungeheuren Zuge nicht mehr widerstehen konnten. Nehmen wir das zur Span-nung einer Pianoforte-Saite'nöthige Gewicht im Durchschnitte auf 70 Pfd., so wirdbei 78 Saiten schon einchörig eine Widerstandskraft von 5460 Pfd. erfordert, derbei dem dreichörigen Bezug bis auf 16,380 Pfd. steigt. Auf einer Seite hing dieseLast lediglich am Stimmstocke, da zwischen ihm und dem Damme, auf dem der Re-sonanzboden ruht, Raum für die von unten herausschlagenden Hämmer bleiben mußte.Auch die stärksten Balken, die man in der Form des Stimmstockes anbringen konnte,wurden da gebogen. Broadwood und Wilkinson sahen sich also schon 1790genöthigt, neben Verstärkung des Kastens in seiner ursprünglichen Bauart selbst, denStimmstock durch eiserne Schiene» zwischen und über den Saiten vom Dammstvck,auf welchem der Resonanzboden liegt, entfernt zu halten, und vom Jahre 1808 bis1822 hatten Brvadwood's Flügel bereits neben den Stützen fünf bogenför-mige, vom Stimmstocke über die Saiten nach den, Damme reichende stählerne Schie-nen, denen unter dem Resonanzboden vom Damme bis aus Ende des Kastens ebenso viele Eisenstangen entgegenwirkten. Nun begannen auch die Londoner Klavier-macher Stodart, Collard und Erard ihr Augenmerk Vorzüglich auf diesen Theilder Verstärkung des Kastens der Instrumente zu richten, um so mehr, als man immergrößere Anforderungen au den Ton zu machen begann. Eine große Menge von Pa-tenten wurde in dieser Beziehnng genommen. Collard bediente sich zuerst hohlereiserner Röhren als Stützen. Stodart wendet noch an unsern gegenwärtigenPiano's oft acht eiserne Röhren mit messingenen Köpfen an. Erard verlängerte dieeisernen Schienen Broadwoods und spannte deren bis zu sechs vom Stimmstocküber die ganze Länge des Pianoforte. Um ihnen feste Anhaltspunkte zn geben,überzog man zuletzt den Stimmstock mit einer dicken Eisenplatte, in welcher sich dieSchienen mit ihren keilförmigen Füßen stützen. Die Mitte dieser Schienen warnoch überdies durch Vertikale Bolzen, welche durch den Resonanzboden gingen, niitdem untern Gebälke des Kastens verbunden. Auch der Saitenhalter wurde nachPape's Vorgang mit eisernen Platten bedeckt. Broadwood hatte 1827 und1833 Patente in dieser Hinsicht genommen. Im Jahre 1847 erfand Broadwood seine sogenannten siispimsin» bars, welche das Pianoforte auch rechtwinklig auf dieStrebstangen stützten, diese und den Stimmstock zn einer festen Masse verbanden, wo-durch namentlich die Vibrationen größere Elongationen machten und sehr weittra-gend wurden.