874 X. Klasse. Instrumente aller Art.
einer Partei angehörten, genau den Anschlag der Broadwoodschen oder Erard-fchen Instrumente; der Virtuose von Profession und nicht Engländer entschied sichbeinahe ohne Ausnahme für die Erardschcn Instrumente und berührte schon miteiner Art von Vornrtheil alle nicht Erardschen, so daß von dieser Seite her einunparteiisches Urtheil nicht zn erwarten war. Ja es fand sich selbst ein Engländerin der musikalischen Jury, der, von der bekannten musikalischen Lärmtrompete ver-führt, in dem Wahne stand, nur auf einem Erardschen Pianoforte lasse sich eigent-lich mit Virtuosität spielen!
Aus dem Gesagten geht von selbst hervor, daß mir die wenigsten der fremdenInstrumente, die von Deutschen herrührte», in ihren bescheidenen Erscheinungen demEngländer genügen konnten, theils weil sie wirklich für andere Känfer gebaut wa-ren, theils weil sie zn diesem noch den Nachtheil hatten, nach einer Seereise, laugeZeit verpackt, hin und her geworfen zn werden und zuletzt auch noch allen Einflüssendes feuchten Klima's ausgesetzt zu sein, ohne daß es möglich war, im Gebäude selbstspäter andern als den gröbsten hervorstechendsten Mängcln, durch solch ein Mißgeschickentstanden, abzuhelfen. Auf ein schönes Instrument, das gerade nach den. Verpacke»,der Reparatur halber, offen stand, hatte es sogar während eines plötzlichen Regen-schauers herabgeregnet und Resonanzboden und Mechanik überschwemmt! Ein an-derer Uebelstand war das von dem Deutschen so sehr abweichende Englische Klima.Es ist der Wechsel des Klima's auch auf die besten Instrumente von größerem Ein-flüsse, als man gewöhnlich zu glauben Pflegt. So beginnen z. B. die ErardschenInstrumente in dem auf einer Hochebene liegenden München in einem nur mäßiggeheizten Zimmer so rasch im Holze zu schwinde», daß in wenigen Wochen z. B. dieDeckel springen, die Mechanik zn klappern und so außer Ordnung zu gerathen an-fängt, daß das Instrument ohne große Reparatur nicht mehr zn brauchen ist. Sofand sich bei allen Deutschen Instrumenten fast ohne Ausnahme der Umstand, daßsie beinahe gar nicht in richtiger Stimmung zn erhalten waren, selbst wenn manihnen mehr Sorgfalt hätte widmen können, als Zeit und Umstände gestatteten.Selbst für Englische Fabrikanten an Ort und Stelle war die Instandhaltung ihrerPianoforte's mit großen Auslagen verknüpft. So hatten z. B. Erard die Erhal-tung und Ueberwachung rc. seiner zwölf Instrumente schon in der ersten Hälfte derIndustrieausstellung 30,000 Franks gekostet.
Nachdem die Jury die Deutschen Instrumente mehrmals durchgangen und ihrUrtheil über dieselben zn Protokoll gebracht hatte, untersuchte ich den Mechanismusder nur etwas günstiger beurtheilten Instrumente genau da, wo er mir nicht schonaus dem Spiele und dem Ansehen bekannt war, und es fand sich ohne Ausnahme,daß alle, die in Beziehung auf Englische Instrumente, die stets als Vorbild dienten,nur einigermaßen den Anforderungen der Klaviervirtnosen der Kommission entspra-chen, entweder nach Broadwoodschen oder Erardschen Mustern gebaut waren,nicht allein dem Systeme, sondern auch den Dimensionen nach. So erhielten ausden 30 Instrumenten, welche, Holland und Schweiz mitgerechnet. Deutsche ausge-stellt hatten, nur drei Instrumente Preismedaillen, und darüber entschied nur nochein in dieser Hinsicht wenigstens günstiges Ereignis; vor dem Schlüsse der Jury.
Ganz nach einem Muster von Brvadwood, etwa aus den; Jahre 1836, ge-baut, war das flügelförmige Pianosorte von Breitkopf und Härtl aus Leipzig .Es erhielt eine Preismedaille. Ein nach Broadwoodschen; Prinzipe gebautesFlügel-Pianofortc war ferner eingesandt von Westermann und Comp. Eserhielt die ehrenvolle Erwähnung. Bessaliö aus Breslau sandte einen Flügel;Kühnst aus Darmstadt desgleichen, Hammerscheitel beledert. Dörner, aus Stutt-gart desgleichen, ohne Repetition. Erhielt von der Jury ehrenvolle Erwähnnngfür sein Oluerpianoforte,