254 XVI. Klasse. Leder und Lcdcrwaarcn, Pelzwcrk und Haare.
eine ungewöhnliche Dicke auszeichnet, sind sämmtlich ganz vortrefflich ge-gerbt und sehr fest, ohne dabei der nöthigen Elastizität zu entbehren. Siesind, ähnlich wie alle auf der Ausstellung befindlichen Englischen Sohl-lcdcr, um ihr Aussehen zu verschönern, vor ihrer vollkommenen Austrock-nung aus einer Tafel ausgereckt und auf ihrer Narbcnscite mit Glanz ver-sehen worden, was Beides bei den für den gewöhnlichen Markt bestimm-ten Ledern sonst wohl nicht gcschicbt. Diese eben besprochenen Sohlhäutesagen uns, daß der Englische Lederfabrikant in Auswahl seines Gerbe-materials nicht eben in Verlegenbeit sich befindet; weiß er doch mit derRinde eines mindestens 100 Jahre alten Eichbaumcs ein Leder herzu-stellen , das sicherlich dem mit der Rinde von 15jährigen in der Rhein-provinz gegerbten nicht nachsteht.
Wir wollen bei dieser Gelegcnbcit die in England überhaupt ange-wandte Fabrikationsmethode besprechen, welche in allen Gerbereien diesesLandes mit wenig Abweichungen überall dieselbe sein wird.
Die Englischen Gerber verarbeiten in der Regel nur frische odergesalzene Häute, sowohl zu Sohl - als zu andern Ledern. Auch die fürSoblledcr bestimmten werden geäschert, das heißt, sie werden so lange inKalkwasser gelassen, bis die Haare sich init Leichtigkeit von der Haut tren-nen; dann werden sie vom Kalk gereinigt und in die Gerbebrühe ge-bracht, gleichviel aus welchem Material das Gerbemittel besteht.
Zur Herrichtung dieser Gerbcbrübe bedient der Engländer sich nicht,gleich dem Deutschen , alter Lobwaffcr, sondern er strebt dabin, die altevon Gerbestoff freie Lobbrühe als zu sauer geworden zu entfernen, undverwendet zum Angerben der Leder einen Ertrakt oder ein Gemisch vonGerbestoffpulver mit frischem weichem Wasser.
Nachdem die Häute mehrere Wochen lang in solcher von Zeit zuZeit erneuerten Loh - oder Gcrbestoffbrühe gewesen sind, werden sie zu denGruben gebracht, daselbst aber nicht, wie solches in den Rheinlandenüblich ist, versetzt, sondern versenkt. Wenn man unter Versetzen derHäute irr Gruben ein Bestreuen derselben mit gemahlener Lohe versieht,und damit zunächst eine möglichst starke Pressung derselben in den Grubenselbst beabsichtigt, so begreift man unter Versenken zwar ein ähnlichesVerfahren, mit der Abweichung jedoch, daß hier die Häute nicht demDruck ausgesetzt werden, den sie beim Versehen aus einander ausüben.ES ist ihnen also bei der in England üblichen Methode Gelegenheit gege-ben, den Gerbestoff der Lohe mit mehr Leichtigkeit rind in kürzerer Zeitaufzunehmen und damit sich zu sättigen.
llm nun einen richtigen Begriff von diesem Versenken selbst zu be-kommen, denke man sich eine zur Hälfte mit frischer Gerbebrühe gefüllteGrube. Auf diese Brühe wird ein aus tannencn Brettern durch Holz-stifte zusammengehaltener und mit vielen Löchern versehener Boden gelegt,welcher genau die Größe der Grube selbst hat, ohne jedoch an deren Sei-tenwände anzustreifen. Dieser Holzboden wird auf der Lohbrühe schwim-