Band 
Zweiter Theil.
Seite
265
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tz. 57. Sattler-, Geschirr- und Oberleder, auch Stiefelschäftc rc. 265

solches gehört, wie bereits angeführt, England an, — sondern sie bestebtin der Fabrikation von braunen und gewichsten Kalbfellen und von Stie-selschästcn. Tie Gerberei und Fertigstellung des Wichsleders gehört derStadt Nantes , die Gerberei brauner Kalbfelle dem Städtchen Milhauim Departement de l'Aveyron , die Fertigstellung dieser Leder und die Fa-brikation von Stieselschästen aber der Stadt Paris an.

Die früher zu Bordeaur in großer Ausdehnung betriebene Fabrika-tion von Kalblcder und dergleichen Stieselschästen hat sich mehrenthcilsdaselbst verloren, indem sie des wohlfeileren Arbeitslohnes und wohl auchsonstiger Ursachen halber nach dem obenerwähnten Städtchen Milhauüberzogen ist. Ungefähr zehn daselbst wohnende Ledcrsabrikanten ver-arbeiten jährlich 300,000 Stück Kalbfelle, die sie in rohem Zustande gegenH aus Frankreich selbst und zu ^ auS Deutschland beziehen. SämmrlicheFelle werden daselbst mittelst Eichenrinde gegerbt und ohne sonstige Zube-reitung, aus der Lohe kommend, aufgetrocknet und, die wenigen selbst Fer-tiggestellten ausgenommen, so nach Paris gesandt, wo sie mit dem Na-men en croute bezeichnet auf den Markt kommen. Es sind nun die da-sigen Fabrikanten von lackirtem Leder, von Stieselschästen, von braunemKalbleder u. s. w., welche dieselben käuflich übernehmen und ihrem Zweckentsprechend Herrichten.

So ganz im Besondern Ventujol und Schlassang in Paris .Dieses unbezweifelt größte Geschäft der Art in Frankreich besaßt sich nurmit der Anfertigung von Stieselschästen und wird diese Fabrikation insolcher Ausdehnung betrieben, daß beständig 300 und mehr Menschendarauf beschäftigt sind. Das von ihnen zu diesem Artikel verarbeiteteLeder ist sämmtlich Gerbung von Milhau, und wenn diese Fabrikantenneben Stieselschästen auch Kalbfelle im Glaspallaste ausgestellt haben, sosagt dieses dennoch nicht mehr, als daß diese Felle blos bei ihnen zuberei-tet, aber nicht gegerbt worden sind. Die auf der Ausstellung befindlichenStiefelschäfte geben bezüglich ihrer vortrefflichen, netten und saubernBearbeitung den sprechendsten Beleg für das Renommee der Erzeuger.England verwilligt denselben gern einen höhcrn Preis als jedem Andern,und ist sicherlich der Abnehmer von der Hälfte alles dessen, was diesesHaus liefert.

Diesem Hause schließen sich noch mehrere respektable Pariser Etablisse-ments in Erzeugung von braunen und gewichsten Kalbfellen sowie Stie-felschästen an und wird, wenn wir die Summe der alljährlich zu Paris verarbeiteten Kalbfelle auf eine Million veranschlagen, dieses nicht zu hochgegriffen sein.

Auch die Erzeugnisse der Stadt Nantes in veaux cire8 (gewichstemKalbleder) verdienen bezüglich ihrer Qualität und Quantität alle Beach-tung, und sagen wir wohl nicht zu viel, wenn wir das Quantum der all-jährlich zu diesem Artikel in Nantes verarbeiteten Kalbfelle auf 250,000