§. 57. Sattler-, Geschirr- und Oberleder, auch Stiefelschäste rc. 269
recht fleißig gearbeitete Stiefelschäste haben während der Dauer der Ausstellung harzähnliche Fett-Ausschlägc erhalten, so daß sie beim Ansühlenan den Fingern hängen bleiben. Und daß noch keiner jener Tausendevon Deutschen, die in Paris waren, Beobachtungen darüber angestellthat, warum die Französischen Oberleder alle weich sind, ohne fett zu sein.Das was man in Frankreich hätte beobachten, lernen und seit Jahren zurAusführung bringen können, wollen wir Nachstehend näher andeuten.
Bei Bereitung des sä mischen Leders werden bekanntlich dieHäute und Felle mit Thran getränkt und gewalkt. Sind dieselben mitThran gesättigt, dann werden die Leder in erwärmte Räume gebracht unddaselbst auf Haufen gesetzt. Sie erhitzen sich dann bald in solchem Grade,daß sie, wenn man keine Aufmerksamkeit auf sie verwendete, in Flammenübergehen und vollständig verbrennen würden. So weit läßt man dieSache natürlich nickt kommen, und strebt man dahin, durch fleißiges undimmerwährendes Wenden der Hausen die Erhitzung der Felle zu moderi-ren, aber doch so lange fortwähren zu lassen, bis ihre Erkältung von selbsteintritt und ihre Oberfläche eine schleimige, harzähnliche geworden ist. DerVorgang bei dieser Erhitzung ist eine Veränderung in der Natur desThranes selbst, indem durch Aufnahme von Sauerstoff seine ursprünglicheölige Substanz in eine harzähnliche sich verwandelte. Die so behandel-ten Häute und Felle werden alsdann in warmes Wasser oder in eineerwärmte schwache Asckcnlauge gebracht und durch das darauf folgendeAusringen oder Auspressen scheidet sich alles frei und ungebunden anund in ihnen hängende Fett ab. Dieses Fett nun ist es, welches unterdem Namen Degras in den Handel gebracht, von den Franzosen zumSchmieren ihrer Leder, mit oder ohne Unschlitt vermischt, verwendet wird.Den Gebrauch von rohem Thran schließen sie dabei ganz aus. Wennnun in Lohe gegerbte Leder mit gewöhnlichem Leberthran getränkt werdenund namentlich wenn sie, um sie recht weich zu machen, etwas viel Thranerhalten, und wenn sie besonders in warmen Räumen in Dutzenden ge-packt längere Zeit liegen, dann geht mit ihnen und mit dem in ihnen be-findlichen Thran genau dasselbe vor, was wir so eben bei dem sämischenLeder angedeutet haben; die Erhitzung, Orydation des Thranes und seineVerwandlung in einen harzähnlichen Körper tritt ein, ganz wie bei demsämischen Leder, nur geschieht diese Umwandlung sehr langsam; daß sievor sich gegangen, zeigt sich, wenn der Thran als Harz auf die Außenseiteder Leder getreten, wenn er ausgeschlagen ist, und wenn er dadurch dasfrüher weiche Leder in ein steifes und hartes umgewandelt hat. Da nunaber der einmal orydirtc, in einen harzähnlichen Körper verwandelte Thrankeinen Umänderungen mehr unterworfen ist, so wenden die Franzosennur solchen Thran zum Schmieren ihrer Felle an, vamit geschlitterte Ledernicht mehr ausschlagcn, sondern ihre ursprüngliche Weichheit behalten,und wir finden sie darum auf der Ausstellung auch alle weich und ohnealle Ueberladung von Fett.