Band 
Zweiter Theil.
Seite
272
JPEG-Download
 

272 XVI. Klasse. Leder und Lederwaaren, Pelzwerk und Häute.

ein zweiter Artikel auf der Londoner Ausstellung so vollständig vertretenwar, als der eben in Rede stehende.

Lackirtes Leder kömmt in der Regel nur in schwarzer und sehr seltenin andern Farben vor. Die Bereitung des erstem bestehet in kurzenWorten darin, daß man auf den entsprechend vorbereiteten Grund desLeders einen Lackfirniß trägt, der eine schwarze Farbe und die Eigenthüm-lichkeit hat, in der Kälte dickflüssig und zähe, in der Wärme aber dünn-flüssig zu sein. Dieser dickflüssige Lack auf die Häute und Felle aufge-tragen und dann in einen auf ungefähr 40 Grad Reaumur erhitztenRaum gebracht, wird ganz dünnflüssig werden, aus dem horizontal liegen-den Leder sich gleichmäßig vertheilen und trocknen. Die Fabrikation derfarbigen lackirten Leder weicht in so fern von der cbcnerwähnten Artab, als man bei ibr nur dünnflüssige Lacke anwendet und die Trocknungderselben nur in minder bohcn Hitzgraden bewerkstelligt. SämmtlicheLeder, die zum Lackiren bestimmt sind, werden, mit wenig Ausnahmen, allein Lohe gegerbt und der Bestimmung, die sie als fertiges Leder erhaltensollen, entsprechend vorbereitet.

Nach diesen allgemeinen Umrissen der Fabrikationsweise der lackirtenLeder gehen wir zur Betrachtung und Prüfung der auf der Ausstellungbefindlichen über. Bei Beurtheilung derselben werden wir uns, wie wires auch bei andern Ledcrsorten gehalten haben, möglichst aller Spezialitä-ten enthalten und nur dann auf solche eingehen, wenn die Wichtigkeitoder Absonderlichkeit des einen und andern Gegenstandes ein solcheserheischt.

Aus England und seinen Kolonien stammend, befand sichderartiges Leder auf der Ausstellung von Bevingtons und Söhne inLondon , Oastler und Palmer daselbst, Diron und Whiting daselbstund von Southcy und Comp. daselbst, von Hall, Thomas undE om p. in Sidney auf Neu - Süd - Wales und von der O stind isch enKompanie zu Kalkutta .

Wenn nun auch England in schwarzen lackirten Kalbfellen fürStiesel und Schuhe, in farbigen für Kinderschuhe, und in dergleichenSchaafscllen für Hutmacher nichts bietet, indem diese Artikel von keinem indiesem Lande wohnenden Fabrikanten erzeugt, sondern von Frankreich undDeutschland aus eingeführt werden, so findet sich dennoch bei ihneickMan-ches, was zu dieser Branche gehört und nicht weniger beachtenswerth ist.Hierher gehören vor Allen feingenarbte lackirte Seehundfelle und ähnlichgenarbte sowie glatte Kuh- und Ochsenhäute für Sattler und Wagen-fabrikanten. Wenn auch den lackirten Seehundfellen, mit deren Fabrika-tion Bevingtons und Söhne sich vorzugsweise beschäftigen, dieDauerhaftigkeit des Lackes, der Glanz, die Schönheit und das Feuer derFranzösischen und Deutschen Kalbleder abgehet, so ist dennoch diese Fell-sorte ihrer natürlichen weichen Beschaffenheit und ihrer Wohlfeilheit we-gen ein in England viel beliebter und verwendeter Artikel. Diese See-