286 XVI Klasse. Leber und Leberwaaren, Pelzwerk und Häute.
entsprechenden Menge Wasser veranstaltet und die Häute hierin bringt,oder daß man ein dem eben angegebenen gleiches Gewicht Alaun undKochsalz fein pulverisirt, mischt und damit die Fleischseite der noch feuchtenHäute bestreut. Innerhalb ungefähr 8 Tagen wird das eine und andereGcrbcmittel die Häute durchdrungen und sie in Leder umgewandelt haben.Dieselben, daraus vollständig ausgetrocknet, werden mit geschmolzenembcißcm Unschlitt auf ihren beiden Seiten getränkt, und in einen sehr starkgeheizten Raum gebracht wird das auf ihrer Oberfläche haftend geblie-bene Unschlitt dann vollends eindringen. Die Haut wird nun auf ihrenbeiden Seiten tüchtig ausgereckt, und sie ist sodann für die Verwendungzu ordinärem Pferdegeschirr fertig. Dieses ist nämlich der allgemeineGebrauch, welcher von dem Onir ck'llon^rie gemacht wird, und dehnt sichderselbe in Frankreich so weit aus, daß man auch die Geschirre für dieArtilleric-Bespannung daraus fertigt, da nicht leicht ein zweites Leder soviele Stärke und Zähigkeit besitzt, und auch nicht leicht ein anderes sorasch und so wohlfeil dargestellt werden kann.
Was der größeren Anwendung dieses Leders im Wege steht, ist seinschmutzig wcißgelbeö Aussehen und der Umstand, daß es naß gewordenund dann getrocknet, leicht hart wird und alle Biegsamkeit verliert, wennauch durch ein von Zeit zu Zeit wiederholtes Tränken mit geschmolzenemUnschlitt dieser Uebelstand wohl größtentheils zu beseitigen ist. — Der an-dere Artikel, welcher vorzugsweise in Alaun gegerbt wird, ist Schaafleder,und wird dasselbe unter der Benennung „Wcißledcr" in großen Massenzu ordinärem Sckulbsuttcr und dergleichen verwendet. Sattsten und dieGegend der Elbe besitzen für Erzeugung dieser Ledcrsorten, gleich Frank-reich , eigene Gerbereien. In England aber, so ist es uns erschienen,geht die Fabrikation dieses Artikels mit der von Saffian Hand in Hand,indem die dortigen Produzenten ihre guten gesunden Schaasfelle zu unech-tem farbigen Saffian, die geringeren schadhaften aber zu Weißleder ver-wenden, d. h. in Alaun gerben.
Die zur Gerberei in Alaun bestimmten Schaasfelle werden von derWolle befreit, in Kalkwaffer circa 14 Tage lang geäschert, dann vondiesem gereinigt und endlich in einer der bereits beschriebenen ähnlichenAlaunauflösung gegerbt; dann getrocknet, gcstollt und geschlichtet sind siezum Verkauf fertig. Das hier angegebene Verfahren ist ohne wesentlicheVerschiedenheit in allen Ländern dasselbe; nur in England ist es üblich,die aus der Alaunauslösung kommenden Leder, statt sie zum Trocknen auf-zuhängen, zuvor auf Bretter oder Rahmen auszuspannen.
Die Fabrikation der Hand schuh leder ist vermöge ihres Umfangsunendlich wichtiger, als die der vorgehend besprochenen Ledersorte;sie ist wichtiger für Deutschland als für England, am wichtigsten aber fürFrankreich , wo die Handschuhleder - und Handschuhsabrikation einen be-deutenden Industriezweig bildet.