Band 
Zweiter Theil.
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§. 60. Alaun- oder Weißleder.

Wir haben uns angelegen sein lassen, über denselben nähere Noti-zen einzusammeln, die wir in diesem Bericht niederlegen werden, nachdemwir diesem vorgehend möglichst kurz über die Fabrikation der Handschuh-leder uns ausgesprochen haben.

Sämmtliche in Alaun gegerbten Handschubledcr sind für Glace-Handschuhe bestimmt; an ihnen bleibt der Narben, (die bffülle,den-gelte unverändert, während bei waschlcdcrncn Handschutzen, welche inThran gegerbt werden, stets der Narben der Felle abgenommen ist. ZuGlace-Handschuhen werden zwei Fellsortcn verwendet; die eine theurere,ist das Fell der nur mit Milch ernährten jungen Ziege, (der Zickel odcrKitz), die andere wohlfeilere ist das Fell des Lammes. Es handelt sichalso hier um Kitz- und Lammfelle, und wenn der Werth der ersten, wo-von 100 Stück circa 30 Pfd. wiegen, 60 bis 70 Fl. per Hundert ist,so haben gleich große Lammfelle einen Werth von ungefähr 25 Fl., undwird jedes dieser Felle zwei paar Handschuhe im Durchschnitt liefern.Die Fabrikation und Gerberei dieser Felle ist wohl an und für sich einesehr einfache; sie bedingt aber zu ihrem vollkommenen Gelingen eincrganz außerordentlichen Sorgfalt, ohne die eben kein brauchbarer Hand-schuh hergestellt werden kann. Sämmtliche Felle werden durch Kalk-wasser von ihren Haaren oder ihrer Wolle befreit, vom Kalk mit dergrößten Sorgfalt gereinigt, in Alaunauslösung gegerbt, und dann getrock-net. Demnach wird ein Gemisch von feinem Waizcnmchl, Milch, Eier-gclb und Salz bereitet, in dasselbe werden die in Alaun gegerbten undgetrockneten Kitz- und Lammfelle gebracht, und so lange unter fleißigemUmwenden mit Füßen getreten, bis das obenerwähnte Gemisch von Mehl,Milch und :c. ganz in die Felle eingedrungen ist. Diese werden darauf-folgend wieder getrocknet, geschlichtet, gestockt u. s. w. und sind sie dannfertig um gefärbt zu werden. Wenn auch dieses besorgt und vollendetist, dann werden sie für Handschuhe zugeschnitten und genäht.

Dieses ist ungefähr die Prozedur, welche man in allen Ländern beider Fabrikation des Handschuhlcdcrs vornimmt. Daß sie aber in Frank-reich mit bessern! Erfolg betrieben wird, und daselbst viel höher als inirgend einem andern Lande stellt, haben wir theils schon angedeutet, theilswird sich ein solches aus dem Nachstehenden noch näher ergeben.

Um nun unsern Lesern ein Bild von dem Umfang dieses Industrie-zweiges in Frankreich und anderen Ländern zu verschaffen, führen wiran, daß die Fabrikation von Handschuhledcr und von Handschuhen sichnicht über ganz Frankreich erstreckt, sondern daß sie daselbst nur in einzel-nen Plätzen heimisch ist. Hierher gehört vor allen andern das StädtchenAnnonay im Departement de l'Ardechc. In demselben werden nur diefeinsten Zickelsorten zu Handschuhlcder verarbeitet; sie werden daselbst rohmit den Haaren eingeführt und so weit hergerichtet, daß sie nur noch ge-färbt zu werden brauchen. Diese Färberei wird aber nicht in Annonay ,sondern an anderen Plätzen Frankreichs vorgenommen. Annonay ver-