§. 61. Sämischgare Leder. 293
Lissabon, I. I. Mercier in Lausanne , A. Schalch in Schaafhausenund das Türkische Gouvernement.
Nicholls in London stellt sänüsch gegerbte Kap-Schaaffelle aus,welche auf der Fleischseite mit gewöhnlichen mehr oder weniger dunkel-grauen und lilassarbigen Oelsarbanstrichen versehen sind, und will der-selbe dadurch wasserdichte Leder hervorgebracht haben. Ob derselbeZweck nicht besser und billiger vermittelst Wachstuch zu erreichen sei, dieseFrage können wir ganz füglich mit Ja beantworten.
Die von Wilson, Walker und Comp. in Leeds , Evans undSöhne in London und Mayer, Michel und Deninger in Mainz zur Ausstellung gebrachten samischgaren Schaafleder sind nichts andersals die Fleischseiten (Aasseiten) der bei ihnen gespaltenen Schaaffelle.
Es vermögen diese Leder unter Umständen das Ungespaltene voll-kommen zu ersetzen und ist der Gebrauch der davon gemacht wird, ihresbilligen Preises wegen ein sebr mannigfaltiger.
Da nun aber England mehr derartiges gespaltenes Schaafleder er-zeugt, als es selbst zu konsumiren vermag, und da der Eingang solchenLeders im fertigen Zustande in Frankreich verboten ist, so gehen alljähr-lich bedeutende Quantitäten solcher roher Leder in dieses Land und wer-den daselbst, besonders zu Niort , sämisch gegerbt.
Glover in London , Randale und Dicks ebendaselbst, Pollackund Söhne in Prag, Bratts in Lissabon , Ranninger undSöhne in Altenburg und Buyteweg in Delft stellten sämmtlich rechtgut gearbeitetes sämischgareö Schaaf-, Reh-, Kalb-, Hirsch- und Ochsen-leder aus, wovon ein Theil zu Handschuh, ein anderer zu Reithosen undein dritter zu Militairbandelicren bestimmt ist.
Besonders hervorgehoben aber müssen werden die dieser Abthei-lung angehörenden Ausstellungsstücke von R. W. und S. Pullmannin London . Wir nehmen keinen Anstand, diese Erzeugnisse für die besse-ren und schöneren der im Glaspallast befindlichen Sämischleder zu er-klären und führen an, daß diese Ausstellungsstücke alle Arten des inThran gegerbten Leders umfassen.
Die Haut des Ochsen für Militairbandeliere zubereitet, die desHirsches für Klavierhämmer Kopfledcr bestimmt, die des Rehes fürwaschledernc Handschuhe (also benannt, weil sie, schmutzig geworden, sichohne Nachtheil waschen lassen), und des Kalbes mit grauer und bräun-licher Farbe versehen und für Jagd- und Reithosen, Westen, Kamaschenhergerichtet, sind eben so schön gegerbt als vortrefflich zart, glatt und seinzugerichtet.
Diesen Englischen Fabrikanten in ihren Erzeugnissen kaum nach-stehend, haben wir anzuführen Laydet Sohn sen. und Comp. undTerierund Sohn zu Niort in Frankreich .
Was Annonay für Glace-Handschuhleder, das ist Niort fürSämischgareö. Hier wie dort wird, beinahe jeden andern Industriezweig