352 XVII. Klasse. Papier , Buchdruck und Buchbiuderarbeite».
den Rheinischen Fabriken. Sie besteht aus den verschiedensten Sorten,in letzterer Zeit jedoch hauptsächlich aus feinen Post-, Schreib- und Sei-dcnpapicren, die nach Holland, Belgien und über See gehen. Die Ba-dischc Ausfuhr nach der Schweiz ist dagegen seit Einführung des neuenSchweizerischen Gränzzolltariss vom l. Februar 1850 auf die Hälftedes früheren Quantums gesunken.
Wie schon die sinkende Einfuhr und die steigende Ausfuhr andeuten,ist die innere Entwickelung der Vereinsländischen Papicrfabrikation eineganz gedeihliche. Insbesondere sind in den letzten 5 oder 6 Jahren dieFortschritte in Vervollkommnung der technischen Methoden und Her-stellung eines festen reinen, weißen, gilt geleimten Papiers ganz auffallendhervorgetreten, so daß wir gegenwärtig den Staaten Konkurrenz auf ihreneigenen Märkten machen, deren Mitbcwerbung wir noch vor 10 Jahrengar nicht gewachsen waren. Allein auch die Konsumenten haben ihren Ein-fluß auf diese erfreuliche Wendung ausgeübt. Das schmutzig-graue Konzept,welches man in England und Frankreich schon seit 15, 20 Jahren nichtmehr zum Schreiben verwendet, verschwindet auch bei uns immer mehrund macht besseren gebleichten Sorten Platz. Man verlangt allmähligein feineres, festeres, stärkeres Post zur Korrespondenz, und wenn auch dieAnsprüche auf Woblseilhcit noch zu weit geben, tun die nachträgliche AnWendung von thierischem Leim selbst in kleinem Umfang zu gestatten, sofinden doch einzelne Fabrikanten schon ihre Rechnung beim Matrisiren(nachträglicher Anscuehtung des Bogens mit Lufttrocknung), und manchePapiersorten aus der Ausstellung zeigten durch ihren elastischen Angriffund ihre Festigkeit, daß sie nach dieser Methode behandelt worden waren,die die Nachtheile der Evlindcrtrocknung mindestens zu einem großen Theilwieder aufhebt. Ucberhaupt kann ja der Stand der Fabrikation einesLandes nie anders als mit Berücksichtigung der Geldvcrhältnisse und derAnforderungen der Konsumenten aufgefaßt werden. Thut man dies, sodarf dreist behauptet werden, daß die Vereinsländische Papicrfabrikationmit der Französischen auf gleichem Fuß stehe, wiewohl allerdings bei einerVerglcichung der absoluten Leistungen, Frankreich — das eine größereZahl von Fabriken ersten Ranges hat als der Zollverein — noch ein kleinerVorrang zugestanden werden dürste, den indeß, wie wir später sehen wer-den, unsre billigeren Preise mehr als ausgleichen.
Wie schon erwähnt kommen die Deutschen Fabrikate und Fabrika-tionsmethoden im Allgemeinen mit den Französischen überein und unter-scheiden sich in gleicher Weise von den Englischen. Nur könnte etwa ge-sagt werden, daß die Deutschen die Bleiche etwas weniger stark anwenden,als die Franzosen , und daß sie den Stoff etwas länger mahlen. Inbeiden Beziehungen halten wir etwa die Mitte zwischen Frankreich undEngland.
Von den Norddeutschen Papierfabrikanten war keiner auf der Aus-stellung erschienen. Der Steuerverein hat 8 Maschinen und 7 6 Bütten.