354 XVII. Klasse. Papier , Buchdruck und Buchbinderarbeitcn.
Aeußerft interessant war die Zusammenstellnng älterer und neue-rer Papicrprobcn, welche Pictte veranstaltet hatte und die bis 1760zurückging. Von den grauen, knotigen, unreinen, ohne Anwendungdes Kochens oder der Bleiche auf sehr groben Drathformen und aus sehrunvollkommen mittelst der Stampfe verkleinertem Stoff gefertigten Papie-ren des Jahres 1760 an, ließen sich in den ausgestellten Proben sehrdeutlich die Fortschritte verfolgen, die von 10 zu 10 Jahren bis in dieneueste Zeit gemacht worden sind. Diese Fortschritte gehen nach allenRichtungen hin, mit einziger Ausnahme der eigentlichen Festigkeit undZähigkeit des Bogens, welche natürlicherweise durch die Anwendung desKochens und Bleichens, des kürzeren Mahlens, der Cylindertrocknungund des Büttenleims nichts gewinnen konnten. Daraus, daß der An-griff (Klang) des Papiers sich umgekehrt mit der Zeit immer mehr ver-bessert hat, ersah man zugleich, wie wenig Angriff und eigentliche Festigkeitdes Papiers identisch sind. Sehr instruktiv war auch daS von Pictte aus-gestellte Lumpcnsortiment, welches in 30 Abtheilungen, jede wieder mitniedreren Untcrabtheilungen, alle nur vorkommenden Sorten nach denUrstoffcn (Leinen, Baumwolle oder Wolle), der Weiße, der Feinheit deöFadens und dem Grade der Abnutzung eingetheilt, anfwics und einenSchluß gestattete, mit welcher Aufmerksamkeit die wichtige Operation desLumpcnsortircns in der Tillinger Fabrik betrieben wird. Neben vor-züglichen Schreib - und Postpapicrm, war auch ein sehr schönes Stroh-papier ausgestellt, nebst einem Werke des um die Papicrfabrikation hoch-verdienten Herrn Piette,') weichem 160 lebende Muster von Papierenaus den verschiedensten faserigen Substanzen beigefügt sind.
Von Piette war überdicß ein Musterbuch von Maschinen-Tape-ten ausgestellt, die ohne besondere Grundirung ein- und mehrfarbige,lineare und gewundene Streifen zeigten. Die Farben waren durch einebesondere Vorrichtung aus der Maschine selbst dem noch feuchten Bogenmitgetheilt worden. Hösch hatte ähnliche Versuche in Seidcnpapierengemacht. Ohne großen Anspruch auf Geschmack oder Schönheit machenzu können, oder hierin gedruckten Mustern gleich zu kommen, dürftensich diese Tapeten, ihrer außerordentlichen Billigkeit halber, zum Ersatz deseinfachen Anstrichs mit Wasserfarben eignen. Diese Methode ist HerrnPiette unterm 9. Juli 1851 in Preußen patentirt worden.
Von G. L. Wuttig in Frankfurt a. O. war ein großes Assorti-ment farbiger Umschlag- und Packpapiere ausgestellt, die sich insbesonderedurch Billigkeit auszeichneten.
Sehr feste Banknotenpapicre, chemisch präparirt um die Nachahmun-gen zu verhindern, waren, wie von einigen Englischen Fabrikanten, soauch von Gebrüder Ebart und W. Möser und Kühn in Berlin ausgestellt. Zur Anstellung von Proben, ob diese schwierige Aufgabehierdurch vollständig gelöst sei, war indeß auf der Ausstellung keine Ge-legenheit.