Band 
Dritter und letzter Theil.
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8. 82. Tafelglas.

Das Tafelglas oder Fensterglas, wozu auch hier die geblasenen Spiegelgläsergezählt werden, verfertigt man hauptsächlich auf zweierlei Weise, indem der Bläserdie durch Eintauchen des eisernen Rohres, der sogenannten Pfeife, in das geschmol-zene Glas (metal) an demselben hängen gebliebenen Glasmasse zn einer Kugel aus-bläst, diese dann durch Ausstößen aus eine Eisen- oder Steinplatte, dem Marbel,stach druckt, an der gegenüberstehenden Seite der Pfeife eine zweite Pfeife anheftenläßt und die erstere abschlägt. Nachdem die durch das Abschlagen der Pfeife entstan-dene Oesfnung mit der Scheere etwas erweitert worden, wodurch die Glasmasse eineHut- oder kronenartige Gestalt (Ornrvn) erhält, nach welcher Gestalt das Tafelglasseinen jetzigen Namen ttrorvn zlass erhielt, wird dasselbe in einem besonders z» die-sem Zwecke geheizten Ofen sehr stark erhitzt nnd der Eisenstab oder die Pfeife, indemman ihn auf eine vor dem Ofen befindliche Stütze auflegt, erst langsam, dann immerschneller um seine eigene Achse bewegt, wobei das durch die Hitze ganz weich gewor-dene Glas. vermöge der Eentrifugalkraft, sich immer mehr und mehr verflacht undzu einer ebenen Scheibe ausdehnt. Nur in der Mitte an der Stelle, wo man dasEise» oder die Pfeife anheftete, bleibt ein starker Knopf, das Ochsenauge genannt,zurück. Nachdem das Eisen von diesem Knopfe abgeschlagen, werden diese Scheiben,welche in England gewöhnlich einen Durchmesser von 6Ü Zoll erhalte», fast senk-recht im Knhlofen aufgestellt.

Obgleich nun dieses Glas durch das Feuer eine ausgezeichnete Politur erhält,so ist doch diese Art der Tafelglasfabrikation auf dein Kontinente nur wenig mehrgebräuchlich, indem nach dieser Methode keine sehr großen Tafeln zn erhalten sind,da die Scheiben, »m das Ochsenauge zu entfernen, in der Mitte zu halben Monden,woher die Deutsche Bezeichnung Mondglas stammt, auseinander geschnitten werdenmüssen, andererseits die Scheiben auch nie vollkommen eben, sondern mehr oder we-niger gekrümmt sind nnd daher das Einsetzen in Nahmen sehr erschweren. Haupt-sächlich aus diesen beiden letzteren Ursachen hat man in England seit 1832 die Fa-brikation dcö Walzentafelglases (Oorman 8I,oot VInss), welche sehr große und ebeneTafeln liefert, eingeführt.

Die Fabrikation des WalzenglascS besteht darin, daß man das Glas zu einerKugel bläst und dann durch Schwenken in eine Walze umformt, welche dann ent-weder gleich am unteren Theile mit einer Scheere geöffnet (Blasen in Scheiben oderBöhmische Methode), oder auch später erst durch Absprengen des unteren kugelförmi-gen Theils und des Halses, öfter noch mittelst Durchblascn (Blasen in Walzen,Französische Methode) in einen Cylinder umgeändert wird. Nach der erstellt oderBöhmischen Methode werde» die Cylinder meist sehr weit. aber knrz geblasen, nachder letzteren dagegen zwar von kleinerem Durchmesser, aber größerer Länge. Mittelsteines Sprengeisens oder. wie in England jetzt allgemein gebräuchlich, eines Demants,wird ein solcher Cylinder dann seiner Länge nach aufgespalten, in den sogenanntenStreckofcn gebracht, wo er erweicht zu einer Tafel auSeinanderfällt. und mit einem,an einer Stange befindlichen, ebenen Holzstücke, dein sogenannten Bügclholze, glattgestrichen. Die aus Thon oder thomgem Sandstein bestehende Hcerdsohle des Streck-cfenS steht bei den neueren Oefen auf einem eiserne» Wagen, der auf einer Eisen-bahn in den unmittelbar daran stoßenden Kühlvfen gefahren wird, wo die Tafel vondem Arbeiter in die Höhe gerichtet »nd in einem eisernen Kasten fast senkrecht aus-gestellt wird. Der eiserne Kasten steht ebenfalls auf Rädern und wird, wenn er ge-füllt ist, durch eine eiserne Klappe geschlossen und nach einem dritten Raume weitergefahren, in welchem das Glas nach und nach, immer an kühlere Stellen gelangend,langsam abgekühlt wird, wozu 72 bis 96 Stunden erforderlich sind.

Diese Methode der GlaSfabrikation ist in Deutschland , wo auch das Mondglasfrüher schon vielfach dargestellt wurde, seit uralter Zeit betrieben worden, wenigstensbeschreibt der Deutsche Mönch TheophiluS in zwei Handschriften, wovon die eine, aus