Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
348
JPEG-Download
 

348

XXIV. Klasse. GlaSwaarcn.

großen Hitze ausgesetzt nicht leicht erweichen und müssen einen starken Tenipcraturwechsclleicht ertragen. Die Deutschen Gläser dieser Art besitzen in England einen große»Rnf, weil sie aus Kieselerde, Kali und Kalk zusammengesetzt sind und dadurch einen,weit höhere» Hitzegrad widerstehen, als die aus Kieselerde, Soda und Kalk fabrizirten.

Die Gläser zu physikalischen Apparaten, besonders zu den elektrischen, dürfenkeine Feuchtigkeit aus der Atmosphäre anziehe», müssen sonach frei von hygroskopi-schen Salzen sein. Die meisten Französischen Gußspiegel sind hygroskopisch und kön-nen deshalb zu Scheiben für Elektrisir-Maschincn nicht gut verwendet werden, wo-gegen die etwas bräunlichen alten Venetianischen Spiegelgläser fast immer trockenbleiben und deshalb für die elektrischen Apparate sehr gesucht werden. Hierher sindauch die Glasstangen zu Nhrenpendcln zu zählen, eine neue, sehr zweckmäßige An-wendung des Glases, welches sich nur sehr wenig durch Tcmperatnrwechsel in seinerLänge verändert.

2. Glasröhren. Von diesen war gleichfalls oben schon die Rede, und es bleibthier nur der Glasröhren für Thermometer, Barometer u. dgl. mehr zu erwähnen, sowieder Röhre», mit welchen auS dem in England üblichen flachen gläsernen Milchge-fäßen die Milch unter dem Rahm aufgesogen wird. Diese etwas gekrümmten Röh-ren sind etwa H Zoll weit und 2 Fuß lang; durch das Durchziehen eines an einemDrahte befestigten, die Oeffnung nuten verschließenden Stückchens Leder wird dieMilch wie durch einen Heber gehoben und läuft unter dem Rahme ab.

Auch sind hier noch der die Farbe und Form der Stearinkerzen nachahmendenGlasröhren aus Milchglas für Gasflammen zn gedenken, sowie der Lampencylinder, dievon der Gräflich So lmSscheu Glasfabrik zu Baruth ausgestellt waren, (vgl. S. 32l).

Aussteller von Gläsern zn wissenschaftlichen Zwecken find bereits im Band I.S. 796 aufgeführt worden; es werden aber noch folgende aus England nachgetragen:

R. W. Swinburne in SouthshieldS, I. Powells u. Söhne, A. Pellattund Conip., Coga» und Comp., sänimtlich aus London .

Abschnitt VI.

Fein- odrr Krystallglas.

Bleiglas (Flintglas oder Engl. Krystall -oder Feinglas), KreideglaS(Böhmisches Krystall- oder Feinglas), farblos, gefärbt und verziert.

§. 92 .

Hierher gehört: l. Geblasenes (blown), 2. Zn Formen geblasenes und ge-preßtes (monläoü »nr> pro8soä), 3. Geschliffenes und geschnittenes (out anck ongra-ved) GlaS, 4. Netz-, Petinet- und Fadenglas in mehreren Farben (koticiilated»nd 8pun witli a varietv ok colours). Inkrustationen, Ueberfang- und emailirteGläser von allen Farben; opalisirende Gläser, Alabasterglas, vergoldet, verplatint,versilbert ic., 5. Glasmosaik, Millesiori-Gläser, Aventurin, Venetianische Millesiori-Kugelnie., 6. Glasperlen und nachgeahmte Muschelperlen n. s. w. (Leads, Imitation?c->rls), 7. Kronleuchter, Kandelaber und alle GlaSgerLthschasten für Lampen,Kronleuchter, Armleuchter, Wandleuchter mit und ohne Lustersteinen.

Zum Fein- oder Krystallglase, wegen seiner Nehnlichkeit mit Bergkrystall so be-nannt, werden die reinsten cisenfreiesten Sande (Quarzgestein) genommen nnd mitgleicher Sorgfalt die übrigen Materialien ausgewählt. Zn Böhmen wird das Fein-glas aus Kieselerde, Kali und Kalk oder Kreide geschmolzen und zwar in offenenHäfen bei Holzfeuerung. In England, Frankreich und Belgien wendet man statt derKreide Bleioxyd (Mennige) an, wobei man sich bei Steinkohlenfcuerung geschlossener