586 XXIX. Klaffe. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.
Großbritannien und Irland nebst Kolonien.
Von den hierher gehörigen Einsendungen der Britischen Fabrikanten verdienendie wohlbekannten Schottischen , aus Holz geschnittenen Schnupftabacksdosen ganz be-sonderer Erwähnung. Diese schönen Arbeiten sind ursprünglich von einem Fabrikan-ten Namens S tiv en in dem Dorfe Lawrencckirk verfertigt worden, dessen Sohn undNachfolger in der Ausstellung vertreten war. Die Kunst scheint sich jedoch schnellüber andre Theile Schottlands verbreitet zu haben »nd »ach einem vor »nS liegen-den Berichte') finden wir im Jahre 1845 in der Stadt Manchline eine ziemlich be-trächtliche Fabrik hölzerner Schnupftabacksdcsen und ähnlicher Artikel, welche nichtweniger als 60 Arbeiter beschäftigte. Im Augenblicke wird dieselbe Fabrikation vonmehreren Anstalten daselbst betrieben. Nach den Einsendungen der beiden Oriczur Weltausstellung zu urtheilen, scheint in der That Manchline gegenwärtig derHauptsitz dieser Industrie zu sein. Dieselbe ist, wie bereits bemerkt, schon längstnicht mehr ausschließlich auf die Verfertigung von Schnupftabacksdosen beschränkt,sondern hat allmälig eine Reihe von andern verwandten Gegenständen'in ihrenKreis gezogen. Fast alle Aussteller Schottischer SckmupftabackSdosen hatten nebenbeiDecken für Bücher und Portefeuilles, Papiermeffer, Bücherzeichcn, Kästchen für Kar-ten und Spielmarken, Brillengehänse, Nadeletuis, Zwirnrollen, Häkel- und Strick-kästchen, überhaupt Arbeitskästchcn, Etuis für Rasirmeffer und Streichriemen, Toilet-ten, Theekästchen, Leuchter n. s. w. eingesendet, welche sämmtlich nach Art der wohl-bekannten Dosen fabrizirt und ornamentirt sind. Uni einen Begriff von den en gras-Preisen dieser Artikel zu geben, führen wir nur die folgenden an: Zigarrcndoscn42 Sch. daS Dutzend, Schnupftabacksdosen von 22 Sch. bis 168 Sch. das Dutzend,Papiermeffer je nach der Größe von 10 Sch. bis 17 Sch., Strickkästchen 5 Sch. dasDutzend.
Die Schsttische Schnupftabacksdose, welche ihres fcingearbeiteten Charniers undgenau schließenden Deckels halber mit Recht berühmt ist, wird in der Regel ausdem festen Holze der Spkainore geschnitzt. Das Aushöhlen der Dose geschieht ein-fach dadurch, daß man in den Blocks, dem man mit der Säge bereits annähernddie gewünschte Form gegeben hat, mittelst eines in der Drehbank laufenden Bohrersdicht neben einander eine Reihe von Löchern von der Tiefe der Höhlung einsenkt.Die dünnen Holzwände, welche die einzelnen Löcher trennen, werden alsdann heraus-gebrochen und die so erhaltene rohe Höhle mit dem Meißel nachgearbeitet. Alsdannkommt das Charnier an die Reihe, dessen ineinandergreifende Theile bekanntlich theil-weise aus dem Deckel, nnd theilweise aus dem unteren Theile der Dose geschnittenwerden. In der sorgfältigen Ausführung dieses Charniers und dem genauen Auf-passen des Deckels besteht die Hanptftärke der Schottischen Dosenschneider. Nachdemdiese Theile vollendet sind, wird die Dose von Außen und Innen mit Feilen bear-beitet, und endlich mit Glaspapier geglättet. Sie erhält alsdann innen eine Beklei-dung von starker Zinnfolie und außen mehrfache Farbcnüberzüge, in der Weisejedoch, daß jeder Ueberzug, ehe ein neuer aufgetragen wird, sorgfältig mit feinemGlaspapier geglättet wird. Die Dose ist jetzt so weit fertig, um die eigenthümlicheOrnamentirung zu erhalten, welche diese Artikel auszeichnet und welche theilweiseaus freier Hand, theilweise mittelst mechanischer Vorrichtungen aufgetragen wird.Diese Ornamentirung besteht säst nur aus den verschiedenen Mustern der den Schot-tischen Clans eigenthümlichen Tartans, deren Linien, wenn die Dose ebene oderleicht gekrümmte Flächen hat, mittelst einer Art Liniirmaschine gezogen werden. Fürcylindrische Flächen bediente man sich früher einer Art Gnillochirmaschine, alleinman findet es jetzt vortheilhafter, das Muster zuerst auf Papier zu zeichnen und als-dann nach der gewöhnlichen Methode anf das Holz überzutragen. Ein anderer Stylvon Ornamenten, der sogenannte Schottisch-Russische (8coto-liussiau), hat neuerdings